Gastartikelserie: Portraitfotografie #3

Nachdem die letzten beiden Artikel mehr um die Theorie gingen will ich heute einmal ein paar kleine Tipps zum Shooting an sich, den Umgang mit den Models und den Posen geben.

Der Umgang mit dem Model

Das ist wohl das A und O bei einem Shooting, denn wenn euer Model sich nicht wohl fühlt dann sieht man das auch auf den Bildern. Sehr schnell wird sich in ihrem Gesicht eine unzufriedene Stimmung zeigen, man wird sehen wenn es etwas nicht gern macht oder keine Lust hat und damit ist euer Bild nicht so schön, wie es sein könnte.  – Ausser man will diese Stimmung auf den Bildern haben ;-)) – Also was tun? Was vermeiden?  Es gibt gewisse Tricks die es dem Model erleichtern sich wohl zu fühlen.
Zum einem ist es wichtig, dass das Model auch denkt dass ihr wollt das es auf den Bildern gut aussieht. Damit man dies schafft reicht es im Grunde schon wenn ihr dem Model ein paar Haare aus dem Gesicht streicht oder es darauf aufmerksam macht dass ihr hier und da ein Haar wegsteht. Dabei ist es aber nicht einmal unbedingt wichtig dass dies auch in Wirklichkeit der Fall ist. Ungeschickt ist natürlich wenn ihr dem Model gleich mal Dreck vom Hintern wegmacht, aber ich glaube das versteht sich von selbst.
Zum anderem ist es wichtig dass auch die gesprochene Sprache stimmt. Egal wen ihr shootet Kommandos wie „Brust raus, Arsch rein“ lassen jedes Model zweifeln. Auch wenn es vielleicht lachen wird, denkt es unterbewusst an ihre eigenen Makel und wird sich damit auch nicht mehr so wohl fühlen, was man wiederum im Bild sehen wird. Jegliche Kommandos die in irgend einer Weise das Model kritisieren sind also definitiv zu vermeiden, zumal man dies in den aller meisten Fällen auch freundlicher sagen kann. Der typische Spruch „Bauch rein, Brust raus“ zum Beispiel lässt sich ganz einfach mit dem Kommando „Hohlkreuz bitte“ bezwecken. Ein Bitte und Danke tut natürlich auch nicht weh und sorgt bei einem Shooting für eine gute Stimmung. Sollte der Bauch dann immer noch stören, retuschiert ihn in Photoshop mit dem Verflüssigen Werkzeug.

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Sieht das auch gut aus?

Wenn man mit unerfahrenen Models arbeitet wissen diese meist nicht wie sie sich hinstellen sollen und sind zudem vielleicht sogar nervös. Simple Kommandos führen am Anfang zu Verwirrung und sie stehen total neben sich. Als ich letztes Jahr die Einzelfotos für sämtliche Abschlussschüler meiner Schule machte, stand dabei der Rest der Klasse hinter mir während einer vor der Kamera stand und 60 Augen auf ihn starrten. Wer würde dabei nicht nervös werden? Ich habe diese Situation für die Schüler vereinfacht indem ich zu meinen Anweisungen jedes mal die Bewegung mitmachte. Ich habe nun also gesagt „Einen schritt nach links bitte und bin dabei selbst den Schritt (von mir aus nach rechts) mitgegangen. So wusste jeder sofort was er machen musste und es hätte übrigens auch keinen Unterschied gemacht wenn ich die falsche Richtung angegeben hätte, wie ich es mit Absicht ein paar mal tat, das ist nämlich niemandem aufgefallen. Genauso könnt es den Models auch gehen. Diese wissen nicht  wo der Arm hin soll, was mit dem Kopf zu machen ist, wohin der Blick gehen soll usw. Es ist also nicht gerade schlecht wenn ihr viele Posen selbst drauf habt und sie auch noch selbst vormachen könnt. Ich mache dem Model eigentlich immer vor wie es sich hinstellen soll und zwar mit allen Details. Wenn man das Model etwas fordern will kann man dann einmal nur sehr wenige Angaben machen. Das Model wird dann vielleicht zwar am Anfang ein wenig ratlos sein aber sobald es sich traut kommen selbst ganz tolle, natürliche Posen dabei raus, die ihr euch wiederum merken könnt.

Posen gibt es überall. Wenn ihr einen Katalog für Klamotten durchguckt werdet ihr jede Menge toller Bilder und damit auch Posen finden, von denen ihr euch inspirieren lassen könnt. Ob ihr dabei wollt, dass die Pose sehr natürlich aussieht oder nicht ist dabei alleine euch überlassen. In Communitys wird gerne kritisiert dass die Pose gestellt wirkt, aber von diesen Aussagen würde ich mich nicht abschrecken lassen, denn Fotografie ist immer noch Kunst. Aufpassen sollte man jedoch ob es komisch aussieht.

Wichtig ist auch, dass ihr euch die Bilder die ihr gerade gemacht habt, anguckt. Ihr habt keinen Stress wie bei einem Konzert oder einer Hochzeit wo jeder Moment entscheidend ist. Guckt euch das Bild an und kritisiert euch selbst. Achtet auf Details und was euch stört, denn noch könnt ihr es ändern. Seht euch aber nicht nur selber eure Bilder an, sondern zeigt sie auch euren Models hin und wieder. Dies schafft zum einem wieder vertrauen oder sie machen euch auf Dinge aufmerksam die ihnen nicht gefallen, welche ihr dann mit einer anderen Pose oder einem anderem Bildausschnitt verhindern könnt.
Sehr wichtig ist auch, dass ihr regelmäßig die Schärfe kontrolliert. Auch wenn ihr die optimalen Einstellungen habt so dass ein Bild im Grunde gar nicht unscharf sein könnte, ist es durchaus möglich. Also am besten von jeder Pose immer mindestens zwei bis drei Bilder machen und die Schärfe kontrollieren, damit seit ihr auf der sicheren Seite!

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Mach mal ne Pause!

Stress bei einem Shooting ist schlecht, denn das wirkt sich wieder auf die Stimmung des Models aus. Aber auch ohne Stress ist bei den meisten Mädels nach spätestens drei Stunden Shooting ende. Dann muss man erst einmal eine Pause machen, denn der Blick auf den Bildern ist, auch wenn es das Model nicht zugibt, nicht mehr der selbe. Es sieht unfreiwillig gequält aus, was euch vielleicht selbst gar nicht so auffällt, ihr ärgert euch nur zu Hause wenn ihr die Bilder durchseht, ihr hättet doch eine Pause machen sollen. Einfach einmal hinsetzen, ein wenig quatschen, vielleicht sogar einen Kaffee trinken. Hauptsache Ablenkung. Die dauernde Anspannung sich nicht bewegen zu dürfen muss verfliegen, das Model muss sich entspannen. Ãœberlegt euch etwas!

Abstand!

Ich hatte eine Phase, da fand ich das 28mm Objektiv von meinem Dad besser für das Shooting als mein 50mm, doch nicht lange. Nicht nur, dass die Qualität des 50mm besser war, sondern auch deswegen weil es nicht verkehrt ist etwas weiter weg vom Model zu stehen. Bei 28mm seid ihr sehr nahe dran und habt eine gewisse Verzerrung der Proportionen in euren Bildern, welche ihr bei 50mm nicht mehr habt. Es ist natürlich die Frage was man machen will, ein Weitwinkel Portrait hat eine ganz andere Wirkung als eines mit 50mm und mehr. Generell gilt aber das es gut ist, wenn ihr dem Model Platz gebt und es sich nicht eingeengt fühlt.
Das Bokeh wird je größer die Brennweite ist übrigens auch schöner /  unschärfer. Vergleicht mal ein 70mm/2.8 Bild mit einem 200mm/2.8!

Der nächste Artikel wird um das Verwalten und Finden von Ideen gehen, ein wichtiger Teil, wenn man viel kreativ sein muss oder will.

Veröffentlicht am Freitag, 25. September 2009

Kommentare

  1. Wow, wieder mal ne super Sache. :ten: Kommt zwar nicht ganz perfekt vom Zeitpunkt her aber egal, kann ich mir ja fürs nächstes Shooting merken. :) Ich hoffe du gehst irgendwann noch mal auf das PostProcessing ein. :thumbup: