Gastartikel: Back to Basics – MF Objektive, Teil 1

Worum geht es eigentlich und wer ich bin…

Hallo, tja, wie fange ich am Besten an? Vielleicht mit dem Naheliegendsten; ich heiße Sören, bin im Internet unter dem Namen „manuel myers“ unterwegs. Und warum schreibe ich das hier? Ich möchte Martin und seine gute Arbeit hier im Blog gern unterstützen und eine andere Facette des Fotografieren zeigen und ein wenig erklären.

Mein Heimathafen ist Hamburg und ich bin seit August 2008 am Fotografieren und habe für mich sehr schnell entdeckt, das es mir sehr wichtig ist zu „spielen“ beim Fotografieren.

Seit einem guten Jahr fotografiere ich fast ausschließlich mit MF-Objektiven, nicht weil es das einzig Wahre ist, sondern weil es mir hilft die Bilder zu machen machen die ich im Kopf habe und eine Menge Spaß macht…

Wieso mache ich das?

Das Fotografieren mit MF-Objektiven hat für mich, und das ist wirklich eine sehr persönliche Erfahrung, zwei ganz entscheidende Vorteile. Durch die „Selbstbeschränkung“ auf die MF-Objektive musste ich mich einfach intensiver mit der Theorie beim Fotografieren beschäftigen,ohne das kommt man nicht weiter. Der zweite Vorteil ist die Intensität mit der man fotografiert. Ich benötige einfach mehr Zeit, nicht viel, aber man merkt es schon. Dadurch kann ich mich mehr und besser um Motiv und Bildkomposition kümmern. Diese Art zu fotografieren liegt mir sehr, man wird automatisch „ruhiger“ und hat mehr Spaß beim Fotografieren.

Und wie funktioniert das jetzt?

Aber genug zur „mentalen“ Seite der MF-Fotografie, wichtig für den Anfang sind sicherlich die technischen Vorraussetzungen.

Warum nicht einfach mal die vorhandenen AF-Objektive auf MF stellen und so fokussieren? Der erste Unterschied ist sicherlich die Haptik, es fühlt sich einfach besser an und lässt sich besser und schneller bedienen, gerade was die Einstellung der Blende angeht, hier sind die „alten“ MF-Objektive ganz klar im Vorteil. Der zweite, und vielleicht auch wichtigere, Grund ist aber die Qualität der Objektive, gerade bei Zeiss, Nikkoren oder Leica Objektiven, aber auch schon bei vielen günstigen „Einsteigerobjektiven“. Diese sind für relativ wenig Geld drastisch besser als aktuelle AF-Objektive der oberen Preisklasse.

Auch sind die alten MF-Objektive meist wesentlich lichtstärker als aktuelle Objektive, Anfangsblenden von 2.8 zählen schon zu den lichtschwächeren Objektiven, 1.7 oder auch 1.4 sind für günstiges Geld zu bekommen.

Oh oh, jetzt kommt Technikkrams…

Welche Kamera eignet sich, welche  Objektive und Bajonette gibt es und wie passt das eigentlich alles zusammen?

Grundsätzlich lassen sich an allen aktuellen DSLRs MF-Objektive adaptieren, an einige mehr, an andere weniger. Ich selbst fotografiere mit einer Canon EOS 50D, dies hat eigentlich nur den einen Hintergrund, das man an Canon DSLRs einfach die meisten Bajonette adaptieren kann. Jetzt taucht sicherlich die Frage auf, was ist eigentlich ein Bajonett? Ganz einfach, das Bajonett ist quasi die Verbindung von Objektiv und Kamera. Und da ein einheitliches System ja langweilig wäre, kocht hier jeder Hersteller sein eigenes Süppchen.

Die verbreitesten Bajonette sind sicherlich M42, Nikon, Leica, Olympus Zuiko  Contax/Yashica und Pentax K. Diese lassen sich zumindest problemlos an EOS DSLRs und natürlich auch anderen DSLRs und SLRs adaptieren. Es gibt natürlich noch weitere Bajonette die sich adaptieren lassen, u.a. auch einige Mittelformatbajonette, aber für den Anfang soll diese kleine Ãœbersicht erstmal reichen.

Es gibt, wie so oft, je nach Bajonett auch Einschränkungen, so lassen sich an Nikon DSLRs eigentlich nur Leica und Nikkore (mit Einschränkungen) adaptieren, alle anderen Bajonette leider nur mit starken qualitativen Einschränkungen. An Pentax und Olympus natürlich die jeweiligen MF Varianten, an Sony teilweise die Minolta MF-Objektive.

Es gibt hier wirklich unzählige Details, wenn also Fragen da sind, einfach fragen, ich versuche diese so gut wie möglich zu beantworten.

Ok, Technik haben wir, aber wie fange ich jetzt an?

Wie kann der Einstieg ins Fotografieren mit MF-Objektiven aussehen und wieviel kostet das?

Das schöne am Fotografieren mit MF-Objektiven ist der relativ preiswerte Einstieg , mit etwas Geduld bekommt man gute Einsteigerobjektive schon für 10-20 Euro, einen entsprechenden Adapter für etwa denselben Preis.

Es gibt bei den Adapter grundsätzlich zwei verschiede Varianten, mit und ohne Chip. Der Chip dient der Anzeige der Autofokuspunkte (mit Pieptonbestätigung) und ist somit sicherlich gerade zu Anfang eine gute Hilfe für das manuelle Fokussieren, allerdings zeigt und piept der Chip nicht genau auf einen Punkt, sondern deckt eine „Schärfeebene“ ab. Eine gute Hilfe ist es trotzdem.

Ein guter und günstiger Einstieg ist hier zum Beispiel das Carl Zeiss Jena Tessar 50mm 2.8. Das Tessar ist eine klassische Linsenrechnung, sie wird schon sehr lange und immer noch verwendet und bietet gerade zum Einstieg schon eine gute Abbildungsleistung und, je nachdem von wann dieses Objektiv ist, auch ein sehr schönes Bokeh, auch eine der Stärken der alten MF-Objektive.

Was ist denn dieses Bokeh und wie entsteht es denn eigentlich? Das Wort Bokeh beschreibt die „Unschärfe“ im Hintergrund und wie diese aussieht, als grobe Erklärung. Entscheidend für ein schönes Bokeh ist die Anzahl der Blendenlamellen, je mehr desto schöner, als Faustregel. Es wurden früher oft viele Blendenlamellen verwendet, dies bewirkt dann ein harmonisches, weiches Bokeh.

Andere, günstige Einstiegsmöglichkeiten sind z.B. Helios Objektive. Dieses sind Objektive aus Russland die meistens bekannte Linsenrechnungen kopieren, z.B. ist das günstig bei eBay zu findende Helios-44M-6 2/58 MC, eine schon lichtstärkere Zeisskopie. Es gibt natürlich auch Weitwinkel und Teleobjektive, ich beschränke mich aber erstmal auf die sogenannten Normalobjektive, das ist meiner Meinung nach ein guter Einstieg.

Einige unter Euch werden jetzt sicherlich schon Zoomobjektive vermisst haben. Ich habe diese aus gutem Grund nicht aufgeführt, es gibt hier wenige wirklich gute, die Stärke der MF-Objektive liegt auf jedem Fall in der Festbrennweite!

Soweit erstmal zur technischen Seite, im zweiten Teil gibt es endlich Bildbeispiele und wenn bis dahin Fragen aufgetaucht sind, werde ich natürlich versuchen diese auch zu beantworten.

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Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2010

Kommentare

  1. M42 ist aber kein Bajonett ;). Bajonettanschlüsse sind Schnellverbindungen mit einer leichten Drehung. M42 ist, wie der Name auch schon andeutet, eine reine Gewindeverbindung und alles andere als schnell.

  2. Bin auf Teil 2 gespannt. Habe auch ein manuelles 50er von Pentacon. Der Preisvorteil und die Lichtstärke sind echt gut… Würde mir aber nie ein manuelles Zoomobjektiv kaufen. Vielleicht mal noch ein 135er…

  3. @Max Das ist schon richtig wie Du es schreibst, zur Vereinfachung für den Einstieg habe ich die Thematik der Verbindungen aber nicht ausweiten wollen. Da bei den meisten aktuellen Kameras ja sowieso mit Adaptern gearbeitet werden muß, relativiert sich der Nachteil (?) der langsamen M42 Verbindung.

  4. @Sören (manuel myers): wollte auch den Nachteil der Verschraubung nicht herausheben, ging mir ja um das als Bajonett bezeichnete M42-Gewinde.

    Ums damit abzuschließen, es gibt Bajonett- und Gewindeanschlüsse, bei letzterem darf dann auch gern immer mal wieder T2 genannt werden, da die sogenannten Russentonnen meist mit diesem Gewinde daherkommen und die M42-Adapter da natürlich nicht passen, auch wenns ähnlich aussieht.

  5. @Max: Und genau deswegen habe ich es nicht so ausführlich geschrieben. Dieser Beitrag ist in erster Linie für Einsteiger gedacht, die sich noch gar nicht mit der Thematik befasst haben. Jetzt müsste der Unterschied zwischen T2 und M42 erklärt werden, was ist eigentlich mit den anderen Gewindeanschlüssen… Für einen Einsteigerbeitrag erschien es mir zuviel an erstmal nicht so wichtigen Informationen. Wenn ein Beitrag für den erfahreneren Benutzer kommen sollte, würde ich auf diese ganzen Feinheiten natürlich eingehen, hier aber nicht.

  6. Sehr gelungener Beitrag und gibt mir die Bestätigung es selbst einmal zu probieren. Spekuliere schon länger, ob ich mir MF-Objektive zulege. Jetzt weiss ich, dass ich nicht falsch liege. Freue mich auf Beispiele. Danke.

  7. Danke ! Dein Artikel hat mich angeregt mal mit offenen Augen durch diverse Foto-Shops zu gehen. Gibt es eine zuverlässige Quelle bezüglich Objektive und deren Qualitäten nach er ich mich als MF-Anfänger orientieren kann ?

    Grüßle aus Baden

  8. @Felix: Schau Dir auch ruhig mal 85mm der auch 100mm an, entspricht ja an der Crop-DSLR ungefähr dem Bereich und da gibt es auch echte Perlen!

    @Christian: Es lohnt sich auf jeden Fall, der Einstieg kann ja wirklich sehr kostengünstig erfolgen!

    @Michael Weiß: Gerne! Eine schöne Ãœbersicht zum Einstieg, auch weiterführend, gibt es im DIGICAMCLUB, ideal als Kaufhilfe zum Einstieg, das ausprobieren wollen von anderen Objektiven kommt dann von ganz alleine… ;-)

  9. Hallo Martin, hallo zusammen, ich nutze auch oft M42-Objektive an der 500D. Aufnahmetechnisch gibt es kaum Probleme, aber eines stört mich intensiv: Wie kriege ich die korrekten Objektiv-Daten in die EXIF-Infos. Bei den meisten EXIF-Tools, bis hin zum „EXIF-Tool“ selbst (nebst EXIF-Gui) sowie in Lightroom , geht das nicht. Auch sind die entsprechenden Felder recht kryptisch benannt. Als einzige Lösung würde ich pro Objektiv eine Batch-Datei fürs Exif-Tool nehmen, und Blende manuell anpassen müssen… Wie geht Ihr mit diesem Problem um? Oder sollte man generell das Objektiv als Keyword einfügen?

  10. @fototark: Moin, Du wirst in den Exifs „nur“ die Belichtungszeit, Kameramodell, usw. stehen haben, aber keine objektivspezifischen Daten. Die MF-Objektive „senden“ diese Daten nicht, da sie diese einfach nicht gespeichert haben, die ganze Elektronik fehlt ihnen.

    Es gibt nun mehrere Möglichkeiten dies zu ändern. Die erste Möglichkeit ist ein Adapter mit AF-Confirm Chip, einige kann man „programmieren“. Entweder auf seine „Hauptblende“ oder man programmiert jedesmal wieder um, stelle ich mir eher umständlich vor. Die zweite Möglichkeit ist das ganz simple Notieren der Blende, so wie es zu analogen Zeiten auch teilweise gemacht wurde.

    Mir persönlich liegt keine der beiden Methoden, ich tagge meine Bilder einfach mit der entsprechenden Objektivbezeichung, das reicht für mich und meine Zwecke.

  11. Eijeijei, kann denn nicht einer von Euch mal das Wort MF ausschreiben? ;) Nun muss ich mir die Blöße geben und fragen, was MF bedeutet. (Manueller Fokus? Makro…?)

  12. Hallo Sören,

    im Beitrag hast du geschrieben, dass Adapterringe schon für 10-20€ zu haben sind. Gibt’s denn da eine Quelle für im Internet oder schaust du da z.B. auf Flohmärkten rum? Habe bisher nur welche um die 70-80€ gefunden, was mir eindeutig zu viel erscheint. Vielen Dank der Silas

  13. @Silas: Hallo Silas, na klar gibt es da eine Quelle im Internet. Ich habe meine Adapter fast alle bei eBay ersteigert, gute und zuverlässige Verkäufer sind hier big is, HT-Photo oder auch jiakgong-DIGITAL. Das sind alles Händler aus Hong Kong oder China. Der Einkauf klappt aber problemlos, es kann allerdings bis zu 3 Wochen dauern bis der Artikel eintrifft, ich habe aber auch schon 4 Tage Lieferzeit gehabt!

  14. jetzt noch mal für doofe bzw. damit ich das auch richtig verstanden habe…ich bräuchte ein M42 Adapter und könnte an meiner eos1000D ein Canon FD Objektiv benutzen…ist das richtig? tut mir leid, dass ich nochmal frage. inspirierender beitrag…!!!

  15. @Vidhya: Hallo Vidhya, an einen M42-Adapter passen auch nur M42-Objektive. Die alten Canon FD Objektive lassen sich nur mit einer Verschlechterung der Qualität an aktuelle Canon DSLRs adaptieren, diese Adapter haben eine zusätzliche Linse, das verschlechtert die Qualität schon beträchtlich.

  16. Schöner Artikel! Ich finde die alten Objektive eröffnen einem eine ganz neue Welt…nur schade das sie mittlerweile schon so teuer geworden sind bei ebay. Finde die Haptik auch wichtig. Mein Helios 44-6 ist schwer und aus Metal …das ist schon was anderes als ein „Plastikbomber“…