Subjektivität oder Objektivität?

Man kann jedes Motiv/Photo schön finden.

Diese These will ich heute einfach mal in den Raum stellen und sie mit euch diskutieren.
An die persönliche Bewertung eines Fotos kann man unterschiedliche heran gehen und ich bin sicher, dass macht auch jeder von euch. Manche vielleicht bewusst, andere eher unbewusst. In eurem Kopf passiert etwas, wenn ihr ein Photo sehr. Die Frage ist, worauf achtet ihr als erstes oder generell mehr?

a) Auf die technische Umsetzung, d.h. sitzt der Fokus richtig, ist das Bild überhaupt scharf, sind keine Bereich über- oder unterbelichtet, folgt die Bildaufteilungen irgendwelchen Mustern oder Regeln, weist das Bild Rauschen auf? Und so geht die Liste immer weiter.

b) Auf euer Gefühl, d.h. spricht euch das Foto auf irgendeine Weise an, löst es Gefühle aus, verbindet ihr ein Erlebnis mit dem Abgebildeten, könnt ihr eine Geschichte im Foto erkennen, findet ihr es einfach schön? Auch hier kann man noch weiteres finden, aber ihr versteht, worauf ich hinaus will.

Je nach dem welchen Weg man geht, kann man bei völlig unterschiedlichen Bewertungen von Photos landen. Und hier kommen wir wieder zum obigen Satz zurück, denn das führt dazu, eigentlich jedes Photo schön sein kann, je nach dem wer es betrachtet. Bei manchen stimmt vielleicht aber auch einfach alles und wir umgehen diese Frage. Oder es ist weder technisch gut, noch strahlt es irgendwas für irgendwen aus. Das wäre dann natürlich sozusagen der worst case.

Wie ist das bei euch? Worauf achtet ihr mehr?

(Ich rede hier immer von euch persönlich, nicht von Stockphotos oder Photos für Kunden im Allgemeinen.)

Veröffentlicht am Mittwoch, 02. Juni 2010

Kommentare

  1. Ich persönlich achte bei Fotos mehr darauf, ob das Gesamtbild stimmt. Wenn eine gewisse Stimmung rüberkommt, egal, ob es jetzt Melancholie oder Freude ist, ist es für mich persönlich nebensächlich, ob das Foto jetzt technisch zu 100% korrekt gemacht ist. Auch ein Rauschen kann bei gewissen Fotos für die Stimmung eher förderlich sein. Aber das kommt auch immer auf das Foto selbst an, das kann man schwer pauschalisieren.

  2. Es kommt ganz darauf an: Wenn ich bewusst unterwegs bin um Fotos zu machen, dann geht es mir mehr darum das diese anschließend auch technisch ok sind.

    Im Urlaub zum Beispiel geht es mir dann eher darum, Situationen einzufangen. Da ist es mir dann auch egal ob mal was nicht stimmt mit dem Bild, das Bokeh-Dings irgendwie unruhig ist oder was auch immer. Da kommt es drauf an, den Moment einzufangen. In meinem Kopf ist dann beim Betrachten des Bildes alles so, wie es auch in dem Moment war.

  3. Bei mir passiert die Meinungsbildung über in Foto glaube ich in 2 Schritten.

    Erst lasse ich das Bild einfach auf mich wirken. Alleine der erste Eindruck entscheidet oft, ob das Bild eher in die „gefällt mir“-Ecke oder eben in die andere gesteckt wird.

    Dann frage ich mich, wieso meine erste Entscheidung so ausgefallen ist und schaue mir genauer die technische und kompositorische Realisierung an. In der Regel finde ich hier dann auch die Antwort, was mich zu meiner intuitiven Bildbewertung geführt hat.

  4. was flo sagt. ansonsten: scheiß auf technik, ganz ehrlich. ich hab unheimlich wenig ahnung davon, was ein gutes foto zu einem guten foto macht, hab mich mehrfach an dslrs probiert und bin grandios gescheitert. aber das ist vollkommen okay, denn ich als kunstkonsument (nicht nur fotos, sondern in fast allen bereichen) habe natürlich nur einen sehr begrenzten plan von kunstproduktion, weshalb die technische/“objektive“ betrachtung schonmal oft wegfällt. viel eher geht’s mir einfach um gefühle, gedanken, assoziationen die kunst im weiteren sinne und fotos im speziellen auslösen.

    meine argumentation, warum ich fotos gut finde, beschränkt sich dann auch hauptsächlich auf „das gefühlâ„¢“ und bezieht eventuell 2-3 technische dinge ein, die irgendwie in einklang mit dem gesamteffekt, den das bild auslöst, stehen.

  5. ganz klar aufs Gefühl. Ein Foto kann sonst wie scharf sein, kann den Goldenen Schnitt beachten, was auch immer. Aber damit entsteht kein gutes Foto. Das Foto muss mir eine Geschichte erzählen. Es muss Gefühle übermitteln. Da kann auch ruhig mal was überbelichtet sein. Und danach, wie Flo schon sagt, stelle ich mir die Frage, woran es liegt, dass mir gerade dieses Foto so gefällt und wie ich Teile, die mir in dem Foto gefallen, vielleicht in einem meiner Fotos umsetzen kann.

  6. ich bin auch kein großer techniker, ich möchte doch einfach nur fotografieren und spaß haben. ich habe bis heute noch nicht einmal in die anleitung meiner kamera geschaut, bei mir läuft alles nach „learning by doing“.

    wenn ich bilder anderer fotografen betrachte, entscheide ich immer aus dem Bauch heraus, es muß meine gefühle ansprechen, und wenn es das tut, dann ist es für mich ein gelungenes bild.

    ich habe in meinem letzten artikel ein buch vorgestellt, das sich genau mit diesem thema auseinandersetzt „Die MAGIE der Fotografie oder das GEHEIMNIS herausragender Bilder“

    lg uwe

  7. ganz klar B … ein Foto muss mich ansprechen, da ist die technische Seite (Fokus, Rauschen) zweitrangig. Was nützt ein (nur) technisch brilliantes Fotos, wenn es mir nichts sagt?

  8. Mein Beitrag über Susan beschreibt eigentlich ganz gut, warum ich auch eher bei b) zu finden bin – ihre Photos sind technisch nicht unbedingt ausgereift, aber sie erzählen eine Story, lösen bei mir etwas aus – und das ist am Ende wichtiger, denn Technik kann jeder.

    Bei meinen eigenen Photos spielt a) allerdings auch eine wichtige Rolle…

  9. Als erstes ist B für mich am wichtigsten. Wenn das Bild Gefühle oder Geschichten vermittelt, muss es nicht technisch gut sein. Gibt Beispiele da ist es sogar besser wenn es nicht perfekt Scharf/Belichtet ist.

    Erst wenn mir das Bild (wegen erfüllung von B) gefällt schaue ich auf die technische Umsetzung. Interessant sind beide Aspekte aber B entscheidet darüber ob ich über A überhaupt nachdenke.

  10. Ich glaube schon, dass das Gefühl die größte Rolle spielt, ob ein Foto als „schön“ empfunden wird. (Geschmacksfragen außen vor) Bei mir ist das auch so. Ehrlich gesagt, ist mir bisher aber auch noch niemand begegnet, der ein Foto aufgrund seiner technischen Feinheiten als gut befand. Doch ist es nicht umsonst, dass bestimmte „technische“ Voraussetzungen in uns Menschen ein bestimmtes Gefühl unbewußt erzeugen. (z.B. Goldener Schnitt, Spiel mit der Schärfentiefe, etc.) und das macht dann am Ende evtl. (im direkten Vergleich) den Unterschied von einem gutem zu einem schlechten Foto aus. Ein „guter“ Fotograf hat diese Techniken so „im Gefühl“, dass er einfach auch „gefühlvolle“ Fotos machen kann. (oder es ist einfach talent) Dennoch glaube ich dass beides in Einklang stehen muss. Ein Motiv technisch einwandfrei geschossen, muss noch lange keine Gefühle auslösen. Ein gefühlvolles Motiv kann aber unter Umständen durch den Mangel „technischem“ Verständnis auch völlig daneben gehen. Am Ende kommt noch persönliche Erfahrung und Geschmack dazu. Manche mögen eher die cleanen Beauty-Fotos, andere finden den typischen Lomo-Look beeindruckend. Und bei allen spielen technische Möglichkeiten mehr oder weniger eine Rolle.

  11. In meinen Augen ist die Wirkung bzw. mein Gefühl über das Bild am wichtigsten. Die Technik gibt zwar dem Bild eine schöne Umrandung aber mir ist es viel wichtiger das ein Bild wirkt als das es Technisch perfekt ist. Sieht man sich bekannte Fotografen an, besonders aus der Street oder Portrait Szene, sieht man oftmals nicht technisch perfekte Bilder. Aber dafür haben diese Ausdruck und überzeugen dadurch. Ich muss aber gestehen das ich auch mal anders begonnen habe, da hat man noch mehr auf die Technik und co geschaut. Mittlerweile bin ich davon weg und setze mehr auf Bildwirkung bzw. eine Geschichte hinter dem Bild. Was mir dabei sehr hilft war immer Kritik Anderer bzw. von meinen Leuten von den PHOTOWORKERS. Denn im Endeffekt ist Technisch perfekt einfach herzustellen wenn man alles beachtet, aber wer beachtet ein Technisch perfektes Bild wenn dieses nichts überträgt oder erzählt.

  12. ich bin jetzt schon eine ganze Weile Leser deines Blogs und möchte nun auch endlich ma meine Meinung hier mit festhalten, anstatt sie mir immer nur zu denken…

    Also ich muss sagen, ich bin eher so jemand beim Betrachten und gut finden von Bildern jemand, der zu b) gehört. Ich brauch ein Foto nich lange betrachten, um es zu mögen oder nicht. Jedenfalls wenn es um Fotografien von anderen Leuten geht.

    Ich selbst beschäftige mich jetzt erst seit knapp ’nem Jahr richtig mit Fotografie. Vorher immer ma nur so paar Schnappschüsse gemacht, um Situationen oder Momente festzuhalten zur Erinnerung. Ohne irgendwie auf bestimmte Sachen zu achten. Draufhalten und abdrücken. Aber wenn ich mir jetzt diese alten Aufnahmen ansehe, finde ich darunter nur wirklich sehr, sehr wenige Fotos, die mir überhaupt noch gefallen. Und seit ich mich ernsthaft damit befasse und mittlerweile komplett auf analog umgestiegen bin, macht mir das ganze auch echt Spaß. Ich sehe was, was ich gern fotografieren würde, schnapp mir meine Kamera und guck durch den Sucher, um zu sehen, ob ich das Motiv auch so umsetzten kann, wie ich es mir gedacht hab. Dann wird Belichtung gemessen, Blende eingestellt, die Schärfe gesetzt und der Auslöser betätigt. Ob das Motiv dann am Ende auch wirklich so aussieht, wie ich es hoffe, zeigt sich ja immer erst, wenn ich den Film entwickeln lassen habe. Und gerade das reizt mich an analog. Entweder hat der Schuss gesessen oder eben nich. Bei ’ner digitalen siehst du sofort, ob es was geworden is oder nich. Und wenn nich, denn wird halt so lange fotografiert, bis es „perfekt“ is.

    Ich finde auch immer die Leute ganz schlimm, die meinen, man müsse die beste Kamera haben, um die besten Fotos zu machen. Klar, sind die Fotos einer SLR von der Qualität her besser als bei einer Kompakten, aber muss man denn gleich, nur um Urlaubsfotos zu machen, sich ’ne SLR kaufen?

    Oh, ich glaube, ich bin ein wenig vom Thema abgekommen…

    Jedenfalls bin ich auch der Meinung, dass all das beste Beherrschen der Technik absolut sinnlos ist, wenn man dem Bild keine Aussage damit verschaffen kann. Ob nun Fotos oder Zeichnungen – beides soll Geschichten erzählen können. Geschichten, die den Betrachter anregen oder an etwas erinnern. Denn manchmal is es gerade das Rauschen, die Unschärfe, die Ãœber-/Unterbelichtung oder der nicht so ganz perfekte Schnitt, der dem Motiv eine Seele einhaucht.

    Fotografieren kann jeder. Nennt sich ja auch mittlerweile jeder „Fotograf“, weil er ’ne Kamera in der Hand hält. Aber draufhalten und abdrücken kann jeder – nur dem Bild eine „Seele“ verschaffen, kann eben nich jeder.