Polfilter im Praxistest

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, bin ich seit kurzem stolzer Besitzer eines Polfilters von B+W. Der hat mich etwas über 50€ gekostet, für mein 50mm 1.8er. Bisher hatte ich nur von Polfiltern gelesen und wusste was sie machen.

Sie verstärken die Kontraste, bzw die Sättigung der Farben, besonders im blau des Himmels sichtbar. Außerdem entfernen sie Spiegelungen, z.B. aus Fensterscheiben oder von der Wasseroberfläche. Ich habe mir außerdem sagen lassen, dass die Farben und Kontraste auf eine Art und Weise verändert werden, die in der Postproduction nicht möglich ist. Ich stellte mir das so vor, wie beim Bokeh, eine solche Unschärfe lässt sich einfach nicht durch Nachbearbeitung erreichen. Soweit die Theorie.

Der Polfilter in der Praxis

Heute Abend war schönes Wetter, blauer Himmel, also bin ich kurzerhand raus und habe den Polfilter drauf geschraubt. Ich habe fleißig unterschiedliche Motive geknipst und natürlich auch für einen späteren Vergleich ungefähr das gleiche Foto einmal mit Filter und einmal ohne gemacht. Und was soll ich sagen? Ich bin enttäuscht. Entweder die Umstände waren nicht so, dass der Polfilter seine Stärken richtig ausspielen konnte, ich mache irgendwas falsch oder er bringt einfach nicht sonderlich viel. Oder muss man vielleicht noch eine Klasse höher greifen und mehr ausgeben?

Hier seht ihr mal den direkten Vergleich. Beide Bilder sind unbearbeitet genau so aus der Kamera.

Der Effekt ist also nicht besonders stark. Was am Meisten auffällt ist eigentlich, dass er einfach die Vignette verstärkt.
Was man dem Filter aber zu Gute halten muss, ist, dass in den Tiefen deutlich mehr Zeichnung vorhanden ist. Wieso das so ist, wo der doch den Lichteinfall sogar noch verringert, weiß ich allerdings nicht.

Was mir aber bei genauerem Hinsehen sehr aufgestoßen ist, ist die Schärfe. Mir scheint, das Foto mit Polfilter ist unschärfer. Dafür hier mal je eine 100% Ansicht.

Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass die Unschärfe in diesem Photo extrem ist. Bei Motiven, die näher dran sind, scheint die Qualität deutlich besser zu sein. Außerdem war ich hier unnötigerweise mit Blende 1.8 unterwegs. Aber das ändert nichts daran, dass das Photo ohne Filter schärfer ist. Und das ist mit gleichen Einstellungen entstanden.

Beim Kauf und beim Nutzen eines Polfilters sollte euch außerdem klar sein, dass er Licht schluckt und die Belichtungszeit dadurch natürlich in längere Zeiten befördert.

Ich bin also nach meiner ersten kleinen Fototour mit dem neuen Spielzeug nicht so begeistert, wie ich es mir erhofft hatte. Ich will ihn aber noch nicht verurteilen und werde weiter testen. Und mal sehen was man aus den Daten (mehr) machen kann.

Wie sind eure Erfahrungen mit Polfiltern?

UPDATE

Gerade in den Kommentaren erfahren, warum man den Polfilter drehen kann. Das wunderte mich von Anfang an, dachte mir aber dann nichts weiter dabei. Offenbar stellt man damit die Intensität des „Polfiltereffekts“ ein. Ich werde also schnellstens noch mal los gehen müssen und auch wollen. Dann gibt’s ein weiteres Update. So was könnte man ja auch mal dazu schreiben, wenn man so ein Ding verschickt. Also haltet die Augen auf.

Kommentare

  1. Ich hab auch einen. Aber nutze ich fast nie. passt auch nur an die Kit Linse. Und die nutze ich auch fast nicht.

    Du musst dich mehr konzentrieren beim Fotografieren. Blende 1.8 bei blauem Himmel. also neee

  2. In Verbindung mit Sonnenlicht kommt es auf den Winkel zur Sonne an, wie der Filter wirkt. Bei Hochstehender Sonne, also am Mittag, ist das Licht über dem Horizont deutlich mehr polarisiert, als am Abend usw.

    Die Wirkeffekte des Filters solltest Du aber auch direkt im Sucher sehen, wenn Du ihn drehst.

  3. Hat nicht jeder bessere Polfilter eine Drehmöglichkeit mittels eines kleinen Griffes, mit dem man die Wirkung verstellen kann? Meine früher analog knipsende Mutter hatte jedenfalls bei Bedarf so einen vor ihrer Spiegelreflexkamera und ich war ziemlich beeindruckt, wie immens unterschiedlich die Wirkung abhängig von der Drehung war: von angenehm kontrastbetonend bis völlig überzogen (Himmel tiefst dunkelblau), selbige Wirkungsbandbreite bezüglich der Reflexionen beim Blick auf die Oberfläche des Sees.

    Obiger Bericht klingt ein wenig so, als hättest Du ihn einfach nur draufgesetzt, also quasi wie einen UV-Filter?!?

  4. Habe ähnliche Erfahrungen gemacht (außer mit der Unschärfe und der Vgnettierung).

    Es muss wohl ein teurer zirkular polarisierender Filter sein, damit die Belichtungsautomatik nicht durcheinander kommt (habe ich).

    Die Vignettierung habe ich nicht beobachtet (habe Polfilter für mein 20-35 mm x 77 mm und mein 28-300 mm x 62 mm).

    Bei Szenen mit ein paar Wolken sieht man den Effekt m.E. besser. Man sieht deutlich wie sich die Kontraste verändern, ich kann mich dann aber selten entscheiden was nun am besten aussieht :)

    Den Effekt mit dem Reduzieren der Spiegelungen hatte ich auch gelesen und als Teil meiner Kaufentscheidung einbezogen, allerdings sehe ich bei Spiegelungen merkwürdige Fleckenteppiche. Also von sauber durch Scheiben durchfotografieren keine Spur…

    Trotzdem habe ich vereinzelt Fotos gemacht, die ohne Polfilter wohl so nicht möglich gewesen wären. Oder ich red’s mir einfach schön ;)

  5. @Max: @lars: OH MANN. Ich bin offenbar ziemlich dumm. Ich wunderte mich schon, wieso man das Ding drehen kann. Konnte aber keine Stufen oder so erkennen, als ich mir den Filter angeguckt hab. Wird man wohl auch nichts sehen. Da muss ich wohl schnellstens noch mal los und das erneut testen. DANKE!

  6. Axo, also dass du wenigstens dranrumgedreht hast, hatte ich irgendwie vorausgesetzt.

    Na da bin ich mal auf den Post gespannt, wenn du dir einen Graukeilfilter zulegst ;)

  7. Beim Polfilter ist es wichtig zu verstehen, wie er funktioniert, dann kann man ihn wohldosiert gut einsetzen.

    In der Wikipedia ist es eigentlich sehr schön erklärt: http://de.wikipedia.org/wiki/Polfilter

    Neben der Drehung des Filters spielt auch der Winkel zur Lichtquelle (Sonne) eine Rolle. Den stärksten Effekt erzielst du, wenn Du im 90 Grad Winkel zur Sonne fotografierst. Dann wird der blaue Himmel schön dunkel und bildet einen schönen Kontrast zu den weißen Wolken.

    Ich habe selbst zu Dia-Film Zeiten den Polfilter gerne für die Landschaftsfotografie eingesetzt, die Ergebnisse waren schön gesättigte und kontrastreiche Aufnahmen. Digital nutze ich ihn nur noch in Ausnahmesituationen – und dann eher um Spiegelungen zu entfernen. Kontraste und das Blau des Himmels kann man m.E. im Post-Processing heute besser anpassen.

  8. Hallo Martin,

    zur Verwendung des Polfilteres brauche ich wohl nichts mehr zu sagen. Ich habe vor einigen Monaten meine alte Canon G3 wieder aktiviert. Für diese hatte ich mir seinerzeit auch einen Polfilter B+W Käsemann spendiert und dieser passt, habe ich vor ein paar Wochen zufällig entdeckt, sogar an mein 50 1,4. Also, in Ruhe mit dem Gebrauch und Verwendung vertraut machen und dann ABBLENDEN. Also „Landschaftsfoto“ mit Blende 1,8 … tststststs.

    Wenn Du Lust auf ein paar Beispielfotos hast, dann geh doch auch meinen Blog: http://bembel.blogspot.com/ Auf der rechten Bildschriemseite findest Du unter „Labels“ an zweiter Stelle das Label „G3“ und da druff klicken. Die Fotos 4 & 6 habe ich mit Polfilter gemacht. Beim Post-processing habe ich nicht wirklich viel gemacht, der Kontrast der Wolken ist „out of cam“.

  9. Moin, also erstmal sollte man beim Kauf drauf achten, das man nen zirkularen Polfilter kauft und kein linearen (gibt es ja auch) Das der Polfilter für die Unschärfe zuständig ist, glaube ich kaum (schon gar nicht bei dem Preis, das sollte schon was gescheites sein) – da aber auch das Bild ohne Filter verwackelt ist, muß der Grund folglich ja woanders liegen. Das das Teil die Vignette verstärkt liegt aber auf der Hand und im Prinzip des Filters – dem kann man aber einfach durch Öffnen der Blende entgegenwirken. Bei mir steht so ein Teil noch auf der Liste aber nur für mein 50mm 1.4 – für mein Zoom eher nicht, denn ein guter Polfilter mit nem Durchmesser von 82mm ist dann doch a bissl teuer ;)

  10. Hallo Martin,

    das Problem mit der Unschärfe (das ich ja generell mit der 7D habe) verstärkt sich bei mir auch deutlich, wenn ich den Polfilter auf das Objektiv schraube. Bin mal gespannt, was dein zweiter Praxistest ergibt. Ich sollte wohl auch nochmal einen nachlegen. Bisher bin ich, bis auf einen deutlich kontrastreicheren Himmel, speziell bei Wolken, auch noch nicht so sehr überzeugt..

  11. Ich glaube es gibt noch ein weiteres Problem bei Verwendung eines Polfilters mit dem 50mm 1.8. Denn bei dem Objektiv dreht das Gewinde auf das der Filter geschraubt wird beim Fokussieren mit. D.h. wenn du den Filter richtig einstellst (drehst) bevor du fokussierst, dann den Auslöser halb durchdrückst wird sich der Filter vorne mitdrehen.

    Besser funktioniert das Ganze bei Objektiven mit Innenfokussierung. Ich bin mir nicht sicher, es könnte sein dass das 50mm 1.4 das hat. Ich kenne es jedenfalls von meinem 24-70mm 2.8, da dreht vorne nichts mit, denn das findet alles innerhalb des Objektivs statt

  12. @Philipp : Das 1.4 hat Innenfokussierung. Das Problem der Unschärfe hat damit aber nichts zu tun. @Dorias : Ein generelles Problem mit Unschärfe bei einer 7D und das Ding ist noch net bei Canon??? Evtl liegts ja an den Objektiven. Btw, soweit ich weiß kann man bei der 7D doch evtl Back/Frontfokus per Firmware ausgleichen oder kann das nur die 5DMII (und aufwärts) ??

  13. Hallo Martin! Ich werde jetzt hier nix zum Polfilter schreiben, aber ich finde den Artikel gut. Er zeigt, dass wir alle lernen und lernen müssen. Wenn einem dann auch gleich so gut zur Seite gestanden wird, wie von deinen Blog-Lesern, dann ist das super! Bei deinem nächsten Testlauf kannst du dir ja auch ein hübsches schön poliertes Auto suchen. Da sollte man den Effekt des Polfilters auch gut erkennen.

  14. Hi, okay die Sache mit dem „Drehen“ ist schon ausdiskutiert ;-)

    Das mit der Unschärfe finde ich allerdings bemerkenswert. Das ist ja nur noch Matsch, was da rauskommt. Sowas habe ich noch nie gesehen.

    Dass man Licht verliert, ist klar. Aber dafür bekommt man ja eben auch richtige Kontraste. Ganz ohne Lightroom :)

  15. @Philipp: das 50mm 1.8 MK I hat Innenfokussierung, wie es beim Nachfolger aussieht weiß ich zwar nicht sicher, aber ich glaube bei dem ist es genauso. Nur der Fokusring ist nach vorn gewandert.

  16. Ja, dass 50mm 1.8 MK II hat auch einen Innenfokus. Eignet sich also sehr gut zur Verwendung mit dem Polfilter, im gegensatz zu der Kitlinse, welche sich dreht ;-)

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