Ein besserer Fotograf werden.

Mir ist bewusst, dass das ein mutiger Titel ist. Und trotzdem möchte ich zu diesem Thema mal ein paar Gedanken loswerden.

Als ihr klein wart, habt ihr sicher schwimmen gelernt. (Falls nicht, tut mir das furchtbar leid.) Und wie lief das ab? Genau, ihr habt Trockenübungen gemacht und der Schwimmlehrer hat euch erklärt was ihr machen müsst. Vielleicht habt ihr auch euren älteren Geschwistern oder Eltern beim Schwimmen zugesehen. Aber seid ihr deshalb ins Wasser gesprungen und wart der Meinung, dass ihr schwimmen könnt? Wohl kaum.

Und genau so ist es auch mit der Fotografie. Natürlich könnt ihr Bücher und Blogs lesen, Behind the Scenes Videos gucken, Fotografen begleiten, Fotos anschauen und analysieren und mit anderen über Fotografie sprechen, doch davon werden eure Fotos nicht besser. (Ich übertreibe an dieser Stelle absichtlich etwas.)
Es gibt nur einen Weg um als Fotograf wirklich besser zu werden: Fotografieren. Nehmt die Kamera in die Hand und macht Fotos. Völlig egal von was. Von der Freundin, der Oma, dem Schreibtisch, der Katze, dem See um die Ecke, der Paprika aus dem Kühlschrank. Aber macht es. Hört am Besten sofort auf zu lesen und überlegt euch, was ihr als nächstes fotografieren wollt. Und dann tut es. Gedanken in eurem Kopf machen keinen Unterschied, das Einzige was zählt, ist, was ihr tut.

Traut euch was zu, testet, probiert und experimentiert. Es gibt kein falsch und richtig. Niemand schreibt euch irgendetwas vor, ihr dürft und sollt sogar mit der Kamera und euren Mitteln anstellen, was immer ihr wollt. Seid kreativ und innovativ. Geht einfach euren Weg ohne zu oft nach links und rechts zu schauen.

Die Ergebnisse werden nicht immer sofort zufriedenstellend sein, eigentlich sind sie es fast nie sofort. Aber das macht nichts, denn ihr werdet mit jedem Foto besser, wenn ihr aufmerksam seid und aktiv lernt. Und an dieser Stelle heißt es, fleißig sein, fleißig sein und fleißig sein
Wer nicht aufgibt, kann auch nicht verlieren. So simpel es klingt, so wahr ist es auch.

Und jetzt werdet ihr sicherlich alle kommentieren und sagen, dass das stimmt und ich vollkommen recht habe. Aber ich behaupte einfach mal, die meisten von euch folgen dem Weg nicht, obwohl sie es besser wissen.

An dieser Stelle solltet ihr euch fragen was ihr eigentlich wollt und warum ihr mit der Fotograie begonnen habt. Um darüber zu lesen, zu schreiben und die Fotos anderer zu bestaunen oder um selbst einzigartige Fotos zu erschaffen.

Und wenn ihr jetzt sagt, dass ihr das alles gar nicht so ernst nehmt, weil ihr die Fotografie ja nur zum Spaß betreibt, dann frage ich mich wieso ihr einen langen Artikel, der mit „Ein besserer Fotograf werden.“ überschrieben ist, bis zum Ende lest. Klar, auch in einem Hobby kann man gut werden wollen, aber erwartet keine Zauberformel, die euch an eurem Schreibtisch zu einem besseren Fotografen macht. Insgeheim hoffen wir alle darauf, aber so einfach ist es nun mal nicht.

Fotografie ist aktiv.

Veröffentlicht am Sonntag, 14. November 2010 | Kommentieren

Kommentare

  1. Gegenfrage: Bist Du OHNE Anleitung direkt in’s Wasser gesprungen und konntest schwimmen? Oder bist Du nach der theoretischen „Trockenübung“ ohne Aufsicht und ganz alleine in’s Wasser? – Nein, oder?

    Ein Plädoyer für gute Workshops / Coachings.

    1. Nein, natürlich nicht. Eine grobe Anleitung ist gut. Nur denke ich nur weil ich die Anleitung kenne und das theoretische Wissen habe nicht, dass ich es deswegen kann. Egal ob Schwimmen oder Fotografieren. Gute Workshops sind sicher eine gute Sache, die den Mittelweg zwischen Theorie/Anleitung und Praxis schaffen.

    2. Ich denke, dass viele von uns, bevor sie in der Schule sind oder so Schwimmunterricht hatten, von den Eltern mit zum Planschen genommen worden sind. Somit hat man ja die „Grundkenntnisse“ davon wie man sich irgendwie über Wasser hält schon innen…

      Was ich damit sagen will, ist dass wenn man sagt: Ich will etz fotografieren, nicht gleich zu nem Workshop rennt, sondern erstmal so andere Amateure fragt oder eben selbst es sich beibringt…

  2. Na toll. Jetzt hast Du mir ein schlechtes Gewissen gemacht. Und mich motiviert, wieder mehr zu fotografieren.

    Ein Ergänzung. Gemeinsam schwimmen zu gehen macht mehr Spaß. Und gemeinsam fotografieren macht auch mehr Spaß. Und man kann sich austauschen und voneinander lernen.

    Sollte ich auch mal machen.

  3. ich nehme mir auch schon seit monate vor, regelmäßiger zu fotografieren. aber irgendwie klappt das leider nicht so. aber recht hast du natürlich. ohne praxis keine verbesserung.

  4. Hallo Martin. Wieder mal ein interessanter Beitrag von dir. Ich muss dir aber doch in einigen wesentlichen Punkten widersprechen. Meines Erachtens nach betrachtest du dabei nur die technische Seite der Fotografie. Es stimmt schon es ist unbedingt notwendig die eigene Kamera zu benutzen, zu wissen wenn ich das Licht da und dort setze passiert dieses und jenes, genauso mit der Retusche. Du vernachlässigst aber die gestalterisch/künstliche Seite der Fotografie völlig.

    „Gedanken in eurem Kopf machen keinen Unterschied, das Einzige was zählt, ist, was ihr tut.“

    Für mich besteht eine Weiterentwicklung in der Fotografie aber genau aus diesem Punkt. Indem du Sachen nämlich ganz anders wahrnimmst, kannst du diese auch ganz anders umsetzen und auch an Projekte anders herantreten. Es geht doch auch sehr viel um die Idee eines Bildes, natürlich ist die technische Umsetzung dann eine weitere Voraussetzung. Um das Auge, die Gedanken weiterzuentwickeln denke ich aber nicht das es unbedingt notwendig ist ständig einfach draufloszufotografieren, nein ich denke das ist kontraproduktiv. Für mich ist es sehr hilfreich zwischendurch unabhängig von ästhetischen Ansprüchen auch mal mit der Analogen zu fotografieren um sich auch mal ein paar Minuten überlegen zu müssen was man fotografiert und nicht einfach drauflos“knipst“…

    Was ganz sicher stimmt. Fotografie ist aktiv. Aber nur durch das Fotografieren alleine kommt man mE nicht weiter. Wie du selber ja nach dem Tag mit Paul angemerkt hast ist eigentlich nur ein kleiner Teil des Geschäfts das Fotografieren selbst. Idee, Planung sind wohl mindestens genauso wichtig und dazu brauchst du nicht unbedingt zu fotografieren um darin besser zu werden.

  5. Du meinst, nur zu fotografieren würde reichen, um zu beseren Fotos zu kommen? Dem stimme ich nicht zu. Wer ahnungslos durch die Landschaft läuft und einfach drauflos fotografiert, der wird nicht zwangsläufig zu einem besseren Fotografen.

    Du schreibst: “Es gibt kein falsch und richtig.“ Wer Fotografie lernt, sollte erst die Regeln kennenlernen, um sie dann evenuell zu brechen.

    Man wird ja nicht mit jedem Foto besser, wenn man einfach nur immer mehr fotografiert. Es gehört auch dazu, andere Fotos anzuschauen – in Magazinen, Büchern, Ausstellungen. Zu analysieren, warum einem dieses oder jenes Bild gefällt, wie es umgesetzt wurde. Das Gesehene muss man versuchen auf die eigenen Bilder zu übertragen und mit eigenen Ideen, die im Kopf und nicht in der Kamera entstehen, zu kombinieren.

    Dein Beitrag ist eine Reduktion auf nur einen Aspekt. Natürlich muss man viel fotografieren. Aber das allein reicht nicht aus.

    P.S. Ich kann nicht schwimmen …

  6. Puh… Also ich finde das auch etwas überspitzt formuliert. Ich bin ganz klar deiner Meinung, dass man schon Fotos machen muss, um besser zu werden. Und je mehr Fotos man macht, umso besser ist es. Doch ein Blick nach links oder rechts kann nicht schaden. Man bekommt so unglaublich viel Inspiration und so viele Ideen durch andere Leute. Einige Dinge lernt man auch nur von anderen. Nicht umsonst hat Paul Biedermann einen Trainer. Sonst wäre er wohl kaum Weltmeister geworden obwohl er als Kind durch die Seepferdchen-Prüfung gefallen ist.

  7. Martin sagt’s richtig. Vor allem der Part mit „Regeln lernen um sie dann brechen zu können“. Einfach rumrennen und knipsen bringt einen auch nicht wirklich weiter weiter. Ich persönlich finde es ganz entscheidend sich mit anderen Fotografen zu beschäftigen, Bilder anzuschauen, auch aus Genre’s die man vielleicht jetzt nicht selber fotografieren würde. Mir hat diese zumindest immens weitergeholfen. Natürlich muss man auch viel fotografieren, aber wie Martin schon sagt, das reicht nicht allein. Vom nur schwimmen wird man auch kein Olympiasiger ;)

  8. Ich für meinen Teil finde, dass es wichtig ist eine gute Mischung zwischen “ Schreibtisch-Lernen“ und aktivem Lernen zu finden. Ich lese regelmäßig Fotografie-Blogs, treibe mich auf Flickr rum, suche immer nach Inspiration und dann gehe ich raus und versuche das theoretisch gelernte umzusetzen. “ Lightwritings“ oder „Lightpaintings“ zum Beispiel habe ich mal im Fernsehn bei Galileo gesehen, dann gegoogelt, dann ausprobiert und ich liebe es – auch wenn mir in letzter Zeit dafür die Zeit fehlt.

    Aber eine gesunde Mischung aus lesen, denken & probieren ist für mich am besten.

    Und eine Zauberformel, mit der man nur durch lesen & studieren zum Nummer 1 Fotograf wird, wird es wohl niemals geben – Fotografieren kann man auch nicht nur lernen, man muss irgendwie einen Blick dafür haben und den dann verfeinern.

  9. Interessant was so ein „kleiner“ Text bewirken kann. Ich möchte gern besser werden, bin auch immer der Meinung ich schaff das. Aber ich weiß genau wo mein Defizit ist – dein Beitrag bestätigt mir das. Ich mach viel zu wenig. Ich glaube ich sollte mir eine neue Aktentasche kaufen wo meine Kamera reinpasst und immer mit auf Reisen nehmen, egal wohin. Danke für deinen Anreiz unbedingt wieder mehr zu tun und die Kamera manchmal ein paar Wochen verstauben zu lassen.

  10. Da kann ich nur zustimmen. Leider erlebe ich es immer wieder dass Leute einfach nur da sitzen und auf besseres hoffen. Egal in welchem Bereich. Dass das nicht einfach zugeflogen kommt sehen die meisten in der heutigen Gesellschaft nicht, da einem oftmals vielleicht schon viel in den Schoss gefallen ist. Wie gesagt Martin, ich kann dir nur zustimmen.

  11. interessanter Vergleich, das mit dem schwimmen. Ich hab mit beidem eher spät angefangen, und Deiner Theorie kann ich nur zustimmen, zumal du ja andeutest, dass Anregungen, Feedback, Unterstützung von außen ebensonotwendig sind. Ich hab beim schwimmen viel von einem Triathleten gelernt, den ich oft im Wasser getroffen habe; der hat mir immer nur so ein kleines Bröckchen Tipp dahingesagt, und das hab ich dann versucht, versucht, versucht. Manchmal erstmal versucht zu verstehen; beim üben. Jakob; Ich fotografier und schwimm übrigens lieber alleine, bis auf ganz seltene Ausnahmen

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