Elektronische Sucher (und meine Probleme mit der Samsung NX11)

Mit einem elektronischen Sucher bin ich das erste Mal letztes Jahr auf der Photokina in Köln in Berührung gekommen. Ich schaute mir die Leica X1 an, die mir wirklich gut gefallen hat, einzig der fehlende Sucher machte mir (damals) zu schaffen. Als Ersatz gibt es einen elektronischen Aufstecksucher, der im Blitzschuh halt findet. Ich schaute durch und fand es von Anfang an furchtbar.

Seit dem kam ich nicht wieder mit dieser Technik in Berührung, bis vor Kurzem in Berlin beim Test der Samsung NX11, die neben einem AMOLED Display auf der Rückseite eine elektronischen Suche integriert hat.
Es ist nicht der Fehler von Samsung, sondern offenbar ein Problem der Technik, dass ich dss Gefühl habe, dass das Bild im Sucher Milisekunden hinterher hinkt und einfach nicht echt wirkt. Ist es ja auch nicht.
Kennt ihr diese deutschen Soaps, die am Nachmittag auf nahezu jedem Sender laufen? An diesen Bildlook hat mich der Blick durch den Sucher erinnert.

Als Vorteil des elektronischen Suchers wird die Vielzal von Infos im Screen angepriesen, allerdings sehe ich das keinesfalls als Vorteil, sondern eher als Nachteil, da es einfach vom Fotografieren und dem eigentlichen Motiv ablenkt.

Ein weiteres Problem, das insbesondere die NX11 hat, ist das Umschalten von Rückseitendisplay auf Sucher. Der Sucher ist aus, wenn man die Kamera normal in der Hand hat. Alle Einstellungen und auch das Fotografieren lassen sich über das Display machen. Nimmt man die Kamera jetzt vor’s Gesicht, geht das Display aus und der elektronische Sucher an. Es mag nur eine halbe Sekunde Verzögerung sein, aber ich merke es. Damit war ich beim Workshop letztens nicht der Einzige. Wohingegen ein Ottonormalverbraucher das vielleicht gar nicht mitbekommt.
Nachdem ich die Kamera aufgrund dieses Umstands mehrere Male ruckartig wieder vom Auge weg nahm, stellte ich von “automatisch zwischen Display und Sucher umschalten” nur auf den elektronischen Sucher. Hier ist, welches Verhalten ich jetzt erwartet habe:
Display aus, Sucher immer an, keine Verzögerung, Einstellungen und Bilder anschauen weiterhin auf dem rückseitigen Display.
Pustekuchen! Das Display ist nun vollständig deaktiviert und auch Einstellungen an der Kamera oder das Anschauen der Bilder ist nur noch IM Sucher möglich. Ich glaube das hat mich teilweise ziemlich blöd aussehen lassen.

Das ist natürlich keine dauerhafte Lösung und ich frage mich, ob es nicht möglich ist, den Sucher dauerhaft aktiviert zu haben und das Display nur zum Ansehen der Fotos und zum Einstellen der Kamera zu nutzen? Also im Grunde wie es bei einer DSLR auch ist, nur eben, dass der Sucher elektronisch ist.
Die wenigen und wichtigen Einstellungen wie Blende, Verschlusszeit und ISO könnten dann auch gerne weiterhin im Sucher angezeigt werden oder auf einem kleinen extra “Display” wie es die DSLRs eben auch machen.

Ich weiß nicht wie andere Systemkameras damit umgehen oder ob meine Vorstellung vielleicht für Zielgruppe sowie Preisniveau nicht die richtigen sind. Mich jedenfalls würde nach dieser Testmöglichkeit diese Handhabung so immens stören, dass ich mit de Kamera nicht dauerhaft fotografieren könnte.

Natürlich kann man jetzt hingehen und sagen, dass ich ja auch einfach nur das Display nutzen könnte, wie ich es zum Beispiel bei der Ricoh tue und mich daran nach anfänglichen Bedenken sogar gewöhnt habe. Allerdings ist eine Systemkamera wie die NX11 deutlich größer als eine Kompakte und fühlt sich damit sehr viel mehr wie eine DSLR an und möchte daher auch so bedient werden.

Veröffentlicht am Dienstag, 19. April 2011 | Kommentieren

Kommentare

  1. Falls ihr Rechtschreib- und Tippfehler findet, sagt Bescheid. Die sind wahrscheinlich dem Tippen auf iPad im Zug geschuldet und ich war zu faul nochmal durchzulesen. u_u

  2. Die Finepix x100 von Fuji hat das Ganze ganz gut gelöst. Bei ihr kann man zwischen optischem und elektronischem Sucher mit einem einfachen Kippschalter umstellen. Und was ich auch nicht schlecht finde, ist, dass wenn man ein Foto gemacht hat, man nicht auf dem Display kontrollieren muss, sondern das Bild einfach noch kurz im Sucher stehen bleibt!

    1. Genau dieses „im Sucher stehen lassen“ stört mich auch. Das ist doch furchtbar. So könnte mir irgendwas entgehen. Klar, wenn ich auf das Display schaue, tut es das auch, aber das könnte ich ja auch einfach sein lassen. Vielleicht bin ich aber auch einfach in meinen Gewohnheiten festgefahren.

    2. Die Finepix x100 mit dem Hybriden Sucher kann das aber auch nur, weil sie KEINE Systemkamera ist… So hab ich das zumindest verstanden.

      Ansonsten hätte man ja das gleiche Problem wie bei den klassischen Messsucher-Kameras… Bei Telebrennweiten wäre im optischen Sucher nur noch ein Zielen mit einem winzigen eingeblendeten optischen Rahmen möglich.. Deswegen hat man ja die SLRs überhaupt eingeführt (und wegen der Parallaxe natürlich).

      Man muss abwarten, ob die elektronischen Sucher besser werden.. und ob wir uns, mangels Alternativen, nicht eh in den nächsten Jahren umstellen MÃœSSEN. Sony wird wohl als erstes den Weg gehen und den Klappspiegel und den optischen Sucher aus ihren Programm entfernen, tippe ich jetzt mal. Canon und Nikon (und was sonst noch so rumkreucht) werden zumindest sehr genau beobachten… Bei dem Gedanken, sich den Klappspiegel-Krams und das Pentaprisma einzusparen, wird wohl jeder Controller nervös.. die elektronischen Sucher mögen jetzt noch teuer sein, aber ich wette, in absehbarer Zeit werden die günstiger als Klappspiegel/Mattscheibe/Pentaprisma nebst Justierung des ganzen Geraffels in der Produktion. Da geht dem kostenbewussten Management das Herz auf, irgendwie wird man der Kundschaft dann den elektronischen Sucher schon schmackhaft machen….

      Eventuell verbleiben ja optische Sucher (erstmal noch) in der Pro-Klasse… aber in der kostensensitiven Einsteiger bis Mittelkasse werden die sich beeilen, die günstigere Alternative zu wählen.. und wenn das mal der elektronische Sucher sein sollte… Adé SLR Ära, es war schön mit dir… Klapp

  3. Hab die NX11 auch als Testgerät bekommen und kann nur unterstreichen, was Du geschrieben hast. Ich hab bisher kein einziges brauchbares Foto mit dem Sucher hinbekommen. Zudem stört mich die Auslöseverzögerung, die wieder ein paar Millisekunden später reagiert…

  4. ich sehe elektronische sucher auch allenfalls als notlösung. ich hab ne olympus pen und die macht mit dem 17er objektiv und dem optischen aufstecksucher so richtig spass… alle weiteren objektive sind krücken, wenn ich sie mal brauchen sollte.

    langsamer sind diese kameras aber wie ich mitbekommen habe alle. wie halt auch slrs im live view.

  5. Ich denke, dass die Rückschauzeit im Sucher für die meisten „Normalnutzer“ einen Komfort darstellt. Für Leute die aus der SLR-Ecke kommen, ist das natürlich nichts. Besonders nicht für Sport- und Hochzeitsfotografen :-) Abgesehen davon glaube ich, dass keiner der typischen Kunden solcher Kameras auch nur daran denkt, diesen zusätzlichen Sucher zu nutzen. Ich suche auch noch immer nach einer schlanken Lösung für unterwegs – gerade wenn man sich sportlich betätigt und keine schwere SLR schleppen will. Gibt es da etwas brauchbares (manuelle Einstellmöglichkeiten, RAW, Normalbrennweite) für unter 500€? Hat da jemand von euch Erfahrungen sammeln können?

      1. Als treuer (wenn auch bisher stiller) Leser des Blogs hab ich die Ricoh natürlich schon untersucht :-). Leider ist mir die Brennweite dort zu weitwinklig. Ideal wäre etwas zwischen 35mm und 50mm. Blende 1.9 ist ja schon mal sehr schick.

  6. Ich hatte zu Bridge-Zeiten auch einen elektonischen Sucher an der Panasonic FZ50 – deine Beschreibung spiegelt den Blick dadurch.

    Aber vermutlich wird man sich damit abfinden müssen – es ist letztendlich eine Kompromiss. Auf einer Fotomesse konnte ich auch durch den Sucher einer Panasonic-Systemkamera (GF1) schauen, dieser löst höher (als die Oly Pen) auf und suggeriert ein schärferes Bild – aber es bleibt dennoch bei diesem „Soap“-Look. :-)

    Für Leica oder die Olympus PEN gibts auch einen optischen Sucher, welcher einen bestimmten Brennweitenbereich abdeckt – dies ist ideal für Schnappschüsse wenn die Einstellungen vorher eingetippt wurden.

    Was mich aber generell bei den elektronischen Suchern stört: man kann bei manuellem Fokus nur schwer einschätzen ob das Bild nun wirklich korrekt scharf ist, dies ging mir bei der GF1, sowie der PEN so. Schade! Wie empfandest du das Ganze?

  7. Ich habe mir für einen Wanderurlaub eine Oly PEN E-P2 gekauft, weil mir meine Canon-Ausrüstung bei gleichem Brennweitenbereich zu voluminös und schwer war. Während der zwei Wochen habe ich wirklich Gefallen an dem Aufstecksucher gefunden, und zwar aus den folgenden Gründen:

    Anders als bei den meisten D-SLRs bekommt man eine genaue Vorschau auf die Schärfentiefe. Das gibt es bei meiner Canon nur durch eine Zubehör-Mattscheibe, die nur noch mit f/2.8 und schneller vernünftig funktioniert.

    Man kann direkt in Schwarz-Weiß, verschiedenen Formaten (1:1, 2:3, 4:3) und Bildstilen (Farbe, Sättigung, Weißabgleich) arbeiten und damit viel direkter sehen, was man da eigentlich einstellt.

    Mit manuellen Objektiven ist die Fokussierung für mich viel präziser und schneller möglich. So gute Ergebnisse erziele ich an SLRs nur mit (wieder mal aufpreispflichtigen) Mattscheiben mit Prismenring. Insofern habe ich da genau die gegenteilige Erfahrung von hAnnes. Vor allem mit der zuschaltbaren und frei verschiebbaren Lupe und ein wenig Ãœbung ist das wirklich gut gemacht.

    Die meisten dieser Vorteile bekommt man natürlich auch mit Liveview in SLRs, der ist aber bei starker Sonneneinstrahlung unbrauchbar, anders als der Aufstecksucher, den ich auch dann noch verwenden kann.

    Der Nachteil elektronischer Sucher der mich am meisten stört ist aber die Rauschempfindlichkeit. Die kleinen Sensoren sind hier eh schon benachteiligt aber spätestens ab der blauen Stunde und ohne superschnelles Glas wird das ganze so ruckelig wie rauschend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.