Meine Streetfotografie

Streetfotografie, was ist das überhaupt für ein Wort. Eingedeutscht. Denglisch. Sind wir doch mal ehrlich, es klingt irgendwie bescheuert. Allerdings hört sich Straßenfotografie auch einfach falsch an und ich stelle mir immer vor wie ich da stehe und die Straße fotografie. Oh, sieh mal, Asphalt, oh darüber, Kopfsteinpflaster. Naja, wäre auch mal ne Serie wert…

Bei mir hat alles irgendwie letztes Jahr angefangen. Ich war irgendwie angetan von Kais Streetbildern, das schwarz/weiß, Menschen, alltäglich und doch irgendwie besonders, wenn man den richtigen Moment festhält und aufmerksam ist. Ich bin schon immer eher der stille, beobachtende Fotograf gewesen und habe nicht gerne eingegriffen. Was allerdings auch damit zu tun hat, dass ich mir unsicher bin wie ich Leute dirigieren sollte, so ehrlich sollte ich sein. Nichts desto trotz, ich mag es im Hintergrund zu sein und echte Momente einzufangen, keine gestellten Szenen zu erarbeiten. Und genau diese Möglichkeit gibt die Streetfotografie. Sie lässt mich anders durch die Straßen und vielleicht sogar durchs Leben gehen. Sie lässt mich auf Details achten und sie lässt mich meine Umwelt mit oder ohne Kamera genauer wahrnehmen.

Nicht zu verachten ist der gewisse Kick bei der ganzen Sache. Irgendwie ist man immer kurz davor entdeckt zu werden. Was, wenn jemand merkt, dass ich ihn/sie fotografiere und was, wenn sie es nicht wollen, mich sogar darauf ansprechen, ich keine Ausrede habe, und und und. Mit der Zeit wird man mutiger und gewöhnt sich an eine gewisse Spannung und fängt an sie auch irgendwie zu mögen. Es macht ja auch einen gewissen Reiz aus.
Ich habe keine Angst „entdeckt“ zu werden, ich tue ja nichts verbotenes. Oder doch?
Nach deutschem Recht, soweit ich da informiert bin und ich erhebe hier keinerlei Anspruch auf Richtigkeit, ist das fotografieren erstmal noch gar nicht so wild (wenn auch vielleicht nicht 100% sauber), aber vor allem das Veröffentlichen der Fotos ohne Einverständnis ist verboten. Da gibt es auch wieder verschiedene Einzelfälle, je nach dem wie sehr jemand zu erkennen ist, etc.

Ich für mich habe entschieden, dass ich niemanden fragen werde ob ich ein Foto machen darf. Es würde einfach den Sinn der Streetfotografie zerstören. Dann wäre es eben genau das gestellte Foto, was ich zu vermeiden suche. Es gibt Projekte, die genau das machen, Leute ansprechen und ein Portrait machen. Dazu gehört viel Mut und es können tolle Bilder entstehen, aber das ist nicht das, wonach ich suche. Ich möchte das Leben einfangen, so wie es ist. Da gehört es auch dazu, dass Menschen mal nicht so vorteilhaft abgebildet werden. Wo wir schon beim nächsten Punkt wären. Man schlug mir vor, die Leute doch zu fragen ob ich das Foto veröffentlichen darf, nachdem ich das Bild gemacht habe. Dann habe ich aber da Problem, dass Leute verneinen würden, wenn sie sich auf dem Bild nicht so gut gefallen, obwohl es in meinen Augen vielleicht ein sehr gutes Foto ist. Ganz davon abgesehen, dass ich nicht die Zeit und Lust habe, Leute ständig anzusprechen und aufzuhalten. Momente sind flüchtig und der nächste Moment wartet auch nicht, bis ich mit einer Person ihr Bild diskutiert habe. Ich mache viele Fotos im vorbei gehen, ich sehe etwas, zücke schnell die Kamera, drücke ab und schon bin ich und auch die andere Person wieder weg.

Ich könnte mich jetzt natürlich zu Hause im stillen Kämmerlein alleine über meine Fotos freuen. Das würde niemanden stören, weil es ja keine Socke mitbekommt.
Aber das will und kann ich nicht. Ich muss Fotos zeigen, so ist es und so bleibt es. Und ich weiß doch, dass ihr sie auch sehen wollt.

Ich weiß nicht recht, wie ich reagieren würde, wenn ich mich auf einer anderen Seite entdecken würde, aber ich glaube ich würde es akzeptieren, weil ich die Beweggründe dahinter kenne. Vielleicht würde ich die Person anschreiben und sagen, hey, ich habe mich auf einem deiner Fotos entdeckt und hatte in dem Moment gar nicht gemerkt, dass jemand ein Foto von mir gemacht hat. Würde dann sicher auch erzählen, dass ich auf Streetfotos mache usw.

Klar ist, die Streetfotografie ist, besonders hier in Deutschland, schwierig. Leute reagieren viel sensibler als in anderen Ländern. Aber man muss sich darauf einstellen und Fotos machen, die möglich sind. Und wie wir alle wissen, können ja auch durch Einschränkung erst recht gute und kreative Fotos entstehen.

In Manhattan, New York, habe ich den Leuten die dicke 5D manchmal direkt ins Gesicht gehalten. Wirklich auffällig. Ich habe provoziert und ausprobiert wie weit ich gehen kann. Niemand hat mich angesprochen, das einzige was ich geerntet habe, waren ein paar böse Blicke. Wirklich perfekt finde ich das aber auch nicht.

So oder so. Jede Stadt, jedes Land verhält sich anders. Die Menschen verhalten sich anders und das ist gut so. Das ist spannend.

Mir ist also bewusst, dass ich mich auf dünnem Eis bewege, auf Messers Schneide stehe, auf dem heißen Vulkan tanze, mit dem Feuer spiele und was nicht noch alles. Aber es ist, was ich will, weil es echt ist.

Kommentare

106 responses to “Meine Streetfotografie”

  1. “und lässt mich meine Umwelt mit oder Kamera” :D

  2. Sebastian says:

    So. toller Artikel! Liest sich sehr gut und ich habe oft innerlich genickt. Sehe das Thema so ziemlich wie du. Den Teil mit dem Ländervergleich finde ich spannend, war mir bisher nicht bewusst. Ich selber bin momentan noch zu schüchtern, richtig “draufzuhalten”, wahrscheinlich aus Gewissensgründen. Ist ja aber auch ein ständiger Prozess. Ich denke wenige Bereiche der Fotografie fordern den Fotografen so sehr wie der der Streetfotografie. Um zum Punkt zu kommen: Finde Einstellung sowie Resultate sehr gut. Wobei ich auch diese ganze Diskussion, die wahrscheinlich wieder losbrechen wird, leid bin. Jedem das Seine.

    Weiter so!

  3. LennartvG says:

    Gute Fotos, das Letzte ist toll :) Ich finde Steetfotografie super, traue mich nur nicht, Leute direkt zu Fotografieren. Wenn man erstmal anfängt, die Personen nur von hinten zu fotografieren, kann man sich langsam ran tasten…

  4. Astrid says:

    Leider (oder nicht leider?) ist es nicht mal erlaubt Fotos von Personen ohne Erlaubnis auch nur anzufertigen. Auch wenn du sie nur für dich machen würdest und sie niemals jemandem zeigen würdest, dürftest du die Fotos eigentlich gar nicht machen. Außer die Person ist nur unwesentliches Beiwerk, aber das dürfte bei deinen Street-Bildern eher selten der Fall sein. Kann aber verstehen, dass man dieses Verbot ignoriert. Denn grade die Streetfotografie wäre damit ja so gut wie unmöglich. Und wo kein Kläger, da kein Richter.

    Andererseits gefällt mir der Gedanke, dass irgendwo ein Bild von mir ohne mein Wissen auf einer Internetseite veröffentlicht, begutachtet und vlt sogar besprochen wird, nicht wirklich. Wenn ich sowas entdecken würde, würde ich eventutell schon darum bitten es rauszunehmen. Das kommt aber stark auf das Bild an. Und nicht jeder kann die Beweggründe eines Fotografen so nachvollziehen wie wir, die wir ja Gleichgesinnte sind. Da gibt es bestimmt viele, die da überhaupt kein Verständnis hätten. Das müsste man dann schon auch irgendwie respektieren.

    Schönen Gruß Astrid

  5. Toller Artikel! Ich will mich auch mehr mit der Streetfotografie befassen eben um den Moment zu erkennen und festzuhalten. Sehe ich das richtig, Du machst Bilder von Leuten und veröffentlichst sie hier ohne Einverständnis? Was kann das für Rechtliche Folgen haben? Auf jeden Fall machst du mir Mut!

  6. Sebastian says:

    Auch wenn ich Deinen Blog sonst sehr schätze, kann ich in den Jubelgesang nicht einstimmen.

    1. Schon das Fotografieren ist strafbar.

    2. Es handelt sich bei der Veröffentlichung hier nicht um eine kleine “Ordnungswidrigkeit”. Sondern um eine handfeste Verletzung von Persönlichkeitsrechten, sprich um eine Straftat. Deren Vorsätzlichkeit Du nun auch noch hier dokumentiert hast und damit jedem Richter die Möglichkeit nimmst, Milde walten zu lassen.

    3. Halte ich es für eine Ausrede, dass Du die Leute nicht nach der Aufnahme fragen kannst. Sorry, aber wer sich traut fremde Leute ohne deren Einwilligung – auch ausdrücklich in unvorteilhaften Momenten – in das Licht der Öffentlichkeit zu zerren, sollte auch den Hintern in der Hose haben, ihnen das zu sagen.

    Und hey! Wie viel wirklich zeigenswerte Fotos machst Du denn? Das sind sicher nicht hunderte täglich, so dass Dich die Fragerei wirklich einschränken würde.

    Viele Grüße vom Wannsee,

    Sebastian

    • Niklas says:

      Sorry Sebastian aber du kommst da etwas ducheinander: Das Fotografieren von Personen und Veröffentlichen der Fotos ist keineswegs eine “Straftat”. Einen solchen Paragraphen gibt es nicht im StGB. Das lässt sich auch daran erkennen, dass der Staat Martin nicht anklagen würde, wenn er von den Fotos Wind kriegt, sondern der Fotografierte muss Anklage vor einem Zivilgericht erheben.

      Vielmehr ist es eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts des Fotografierten aus §823 BGB (sonstiges Recht).

      • Sebastian says:

        @niklas

        Nein, ich mag das selbst nicht besonders wenn Straf- und Zivilrecht durcheinander geworfen werden. Und bspw. in der Berichterstattung zu Zivilprozessen regelmäßig vom “Angeklagten” die Rede ist.

        Schau Dir mal §33 KunstUrhG an, dann wird es klar.

        LG vom Wannsee,

        Sebastian

    • Novi says:

      Absolut. Sehe ich genauso wie Sebastian.

      Und der Artikel lässt in mir eher ein “Hoffentlich fällt er damit auf die Nase und lernt daraus” als das positive Tirili bei Anderen aufkommen, da mir das Ganze viel zu gleichgültig und arrogant vorkommt (keine Zeit/Lust die Personen nach dem Schnappschuss um Erlaubnis zu fragen.. ernsthaft?). Sehr schade.

      • Martin says:

        Wahrscheinlich bin ich ein böser und schlechter Mensch. Ich bitte dich nur um eins, wenn du das nicht gut findest, dann schau dir bitte keines meiner Bilder an. Wenn du sie dir anschaust und gut findest, aber ein Problem damit hast, dass ich sie mache, heißt das doch nur, dass alle anderen zu feige sind.

  7. Niklas says:

    Hey Martin,

    zuerst einmal: Ich mag deine Fotos sehr. Da du in diesem Eintrag die rechtliche Seite angesprochen hast, wollte ich das aber noch etwas konkretisieren: Rechtlich gesehen darfst du Personen nur mit deren vorheriger Einwilligung fotografieren. Das Fotografieren von Personen ist verboten, wenn diese keine Personen der Zeitgeschichte (das sind eigentlich nur Promis), und auf dem Foto eindeutig identifizierbar sind.

    Bei den Fotos wie du sie macht schwingt halt immer die Gefahr mit, dass dich die Personen auf den Fotos auf Schadensersatz gemäß Â§823 BGB wegen Verletzung des Rechts am eigenen Bild verklagen…

  8. […] verhindert Produktivität, verhindert Erfolg, verhindert eine bessere Welt. Martin schreibt drüben von Streetfotografie, die rechtlich fragwürdig ist, aber gescheite Ergebnisse liefert. Er […]

  9. Kai says:

    Hier und andererorts in letzter Zeit vielfach diskutiert und so langsam aber sicher bekomme ich den Eindruck, dass sich diese Auseinandersetzungen mit der rechtlichen (Schatten)seite der Streetfotografie auf immer und ewig im Kreis drehen werden. Ich denke jeder muss mit sich selber ausbaldowern, wie er zu Street´s steht und für sich selbst im Zweifelsfall mit den Konsequenzen dealen können. Offensichtlich ist sich Martin dessen bewusst und hat hier nur noch mal seinen Standpunkt klar gemacht, wie er ja auch selbst sagt. Ich bin der Meinung das kann und sollte man so stehen lassen. Just my two cents.

  10. Felix says:

    Ich stimme dir absolut zu. Wenn jemand, so wie er aussieht, nicht gesehen werden will, soll er auch nicht auf die Straße gehen. Wie Marcel auch schrieb, warum sollte man sich immer an alle Regeln halten, auch wenn diese, wie in diesem Fall, nicht besonders viel Sinn ergeben?

  11. Niklas says:

    Ruhig bleiben. Es geht gar nicht darum, wie Marcel annimmt, dass es mir mit dem Hinweis auf die rechtlichen Konsequenzen darum geht, irgendwelche Erfolge zu verhindern. Wie ich gesagt habe mag ich Martins Bilder und finde auch er sollte sie weiter machen.

    Aber ich finde auch das es gut ist, wenn man die Konsequenzen wenigstens genau kennt, und nicht mit irgendeiner dunklen Ahnung im Hinterkopf loszieht. Deswegen gleich auf “viele dämliche Spießer mit Stock im Arsch” zu schließen, ist ziemlich hoch gegriffen.

    Ich sage nur: Sei dir bewusst was du tust. Wenn du den Spaß dabei nicht verlierst – umso besser.

  12. DocMaowi says:

    ich finds gut. das macht es erst aus das leben un dmich kann jederzeit einer fotografieren ob nun beim popeln auf der straße oder wie auch immer, mir egal wenn ich davor angst hätte dürfte ich nicht mehr aus dem haus…1984 ist heute und daran wird auch die noch so moralische abteilung nichts ändern.

    sehr guter artikel.

  13. Da mein Blog keine “Pingbacks” verschickt, hier die Info, dass ich auf Deinen Post verlinkt und ihn diskutiert habe http://andreaswollin.blogspot.com/2011/06/streetfotografie-rechtliche-bedenken.html

  14. Martin says:

    Ihr könnt jetzt alle hier euer Meinung hinschreiben. Ist ja ein freies Land und die Kommentare sind ausgeschaltet. Ich habe aber weder die Zeit noch die Lust jedem auch noch einzeln zu erklären wieso ich was mache und welche Beweggründe ich habe. Steht ja schon alles da oben. Und für muss und will ich mich auch nicht rechtfertigen. Es ist eine Aussage meinerseits, keine Frage.

    Schreibt ihr, wie Andreas und Marcel, eigene Einträge, freue ich mich, da wir da in eine vernetzte Diskussion kommen, auf vernünftigem Niveau. Danke. :)

    • Sebastian says:

      Wo ist der Vorteil, wenn wir die Diskussion auf weitere Blogs verteilen? Außer dem, dass Du dann vielleicht den einen oder anderen Link provoziert hast?

      Und Marcel … mit Niveau … ja, iss klar ;-)

      Ich fand die Diskussion hier ehrlich gesagt wertvoller als Dein Ursprungsposting. Und finde es schade, dass Du den Input Deiner Leser nicht zu schätzen weißt.

      Warum bloggst Du nochmal?

      • Martin says:

        Mist, du hast mich ertappt, ich mache das hier alles nur, damit ich Backlinks bekomme, dann einen tollen PageRank habe und dann … ja, gute Frage.

      • Novi says:

        “Warum bloggst Du nochmal?” .. das und die Gedanken davor habe ich mich auch gerade gefragt …

        • Martin says:

          Ich blogge ganz sicher nicht, weil ich Feedback und rechtliche Belehrungen von irgendwem haben will. Wenn ich Feedback will, frage ich jemanden, von dem ich weiß, dass es sich lohnt und wenn ich rechtliche Fragen habe, frage ich Anwälte oder andere Leute, die sich damit auskennen.

  15. Sebastian says:

    > dann einen tollen PageRank habe und dann … ja, gute Frage

    Dann kannste z.B. Deine Sponsorings (http://visuellegedanken.de/sponsorship/) besser verkaufen. Was ich Dir durchaus gönne, da ich – wie eingangs erwähnt – Dein Blog mag.

    Aber die Art auf Feedback zu reagieren mag ich nicht, weshalb ich uns beiden das vorerst ersparen werde ;-)

    • Martin says:

      Es gibt da so einen kleinen “Antworten” Link…

      Egal. Ich mag Feedback. Allerdings habe ich ja im Artikel selbst geschrieben, dass ich bewusst Fotos zeige, da braucht mir in den Kommentaren niemand irgendwelche Paragraphen vorzubeten. :)

      • Sebastian says:

        Ich habe die Pharagraphen vor allem deshalb “vorgebetet”, da Du selbst in Deinem Posting geschrieben hast, dass Du Dir nicht sicher bist, wie die rechtliche Lage genau ist.

        Also wenn ich Dich recht verstehe, magst Du Kritik, solange sie nur positiv genug ist?!

        Um noch was Substantielles beizutragen. Ich denke, das Problem wird akuter, wenn die ersten Anbieter (Google, Microsoft und Facebook arbeiten daran) eine netzweite Gesichtserkennung anbieten.

        Dann kann jeder nach Fotos von sich im Netz suchen. Und dann wird das imho eine ähnliche Abmahnwelle geben, wie vor Jahren mit den Impressen.

        Nur zur Sicherheit: Ich finde das nicht gut. Sehe aber diese Entwicklung. Es gibt jede Menge gelangweilter Anwälte da draußen.

        • Martin says:

          Nein, das sieht du falsch, ich kann mit jeder Kritik leben. Allerdings hat hier ja niemand kritisiert, von daher, alles gut. :)

          Die Gesichtserkennungsache ist in der Tat spannend. Solange nur Facebook sowas hat, macht mir das weiter keine Sorgen, da ich eigentlich nur private Fotos in privaten Alben dort hochlade, kein Streetgedöns. Sollte aber Google sowas entwickeln und “netzweit” ausführbar machen, ist das in der Tat gefährlich und sollte man weiter beobachten. Danke!

          • Sebastian says:

            Ich denke Facebook wird in den nächsten Jahren seine Suchfunktion ausweiten. Schau mal in Deine Serverlogs. Die spidern jetzt schon alles, was sie greifen können.

            Diesen Markt lassen sich die Jungs nicht entgehen. Zumal sie eine gewisse Abneigung gegen Google hegen und sicher – jenseits die monetären Anreizes – großen Spaß daran hätten, sich zu duellieren.

  16. Jakob says:

    Beim Thema Streetfotografie bin ich echt zwiegespalten.

    Einerseits liebe ich die ungestellten Fotos, wie du sie machst. Ein (moralisches) Problem in der Veröffentlichung im eigenen Blog sehe ich auch nicht direkt, da der Leserkreis doch relativ beschränkt ist und du niemanden in die Öffentlichkeit “zerrst”.

    Was mir aber Sorgen bereitet sind die Face-Tracking-Bestrebungen von Google/Facebook und. Co. Ich denke es ist nicht mehr lange hin, und ich kann mit einem Beispielsfoto einer Person alle anderen Fotos dieser Person im Web (und damit auch in deinem Blog) aufspüren. Was das z.B. für einen Bewerber bedeutet, kann man sich denken.

    Die Politik sollte aber lieber Facetracking verbieten, als talentierten Streetfotografen Steine in den Weg zu legen.

  17. Sebastian says:

    > Die Politik sollte aber lieber Facetracking verbieten

    Hatte das Thema ja oben schon angeschnitten. Ja, diese Dienste sind sehr problematisch. Aber es ist komplett unrealistisch, dass die Politik sie verhindern wird. Sie hat ganz nüchtern betrachtet, gar nicht die Möglichkeit dazu.

    > talentierten Streetfotografen Steine in den Weg zu legen

    Das ist imho einer der wichtigsten Punkte dieser Diskussion. Ich mag “Straßenfotos” auch. Aber wer entscheidet, wer wirklich talentiert ist?

    Im Moment ist das Netz voll von Fotos belangloser Alltagsszenen.

    Imho ein ähnliche Problematik wie bei Graffitis. Es gibt einige grandiose Arbeiten, aber eben auch eine gigantische Masse an Schmiererei.

    • Jakob says:

      >Aber wer entscheidet, wer wirklich talentiert ist?

      Das muss zum Glück niemand entscheiden. Ein Gesetz, das nur “schöne/gute/hochwertige” Streetfotos erlaubt, wäre wohl kaum durch- und umsetzbar.

      Ein anderer Gedanke noch: Man sollte sich (nicht nur beim Thema Streetfotos) immer an die einfache Regel halten, sich zu fragen, ob man denn selbst in dieser Situation gerne fotografiert bzw. veröffentlicht werden würde.

  18. Lazertis says:

    Erstmal: Mich interessiert diese Rechtsdiskussion nicht. Die wird eh geführt und Dein Post zeigt, dass du dir über die Aspekte durchaus im Klaren bist. Warum also etwas schreiben, was du eh schon vermutest/ahnst/weißt.

    Viel interessanter finde ich deine Beschreibung der Gefühle bei dem, was du tust. Es hat etwas von Voyeur und im Grunde sind sehr viele Fotos (gerade bei “Berichterstattungen”) nichts anderes als über den fernen Arm des Pressefotografen verlängerte Spannerei. Da muss man nicht mal bis zu den Paparazzi gehen.

    Das Draufhalten auf eine fremde Person kickt. Das habe ich selber auch schon erlebt auf der Strasse, je verlockender, mitreissender, schöner das Motiv war, desto mehr. DAS will ich einfangen, es haben, es anderen zeigen. Weil es ein Stück dieser Welt widerspiegelt, das usn sonst entgleiten würde, das wir unter “ferner liefen” abstempeln und vergessen. Streetfotografie aber hält den Moment fest und leitet unseren Blick auf das sonst Nebensächliche. Und NATÃœRLICH weicht es auch den immer noch sehr weit verbreiteten Privatsphäregedanken von Nachkriegsdeutschland auf und fordert Antworten. In Deutschland und seiner Verkrampftheit gehört tatsächlich Ãœberwindung dazu, draufzuhalten, aber nur so passiert was.

    Ach ja, noch etwas zum Blogpost von UARRR zur Sache:

    Ich fand den Post erstmal – in seiner Schärfe und Deutlichkeit – gut und wichtig. Leider hat er sich in meinen Augen in den Kommentaren vollkommen disqualifiziert. Publikums- und Kommentarbeschimpfung als “Ich stehe eh über allem”-Konzept? Lächerlich. Darum habe ich auch kein Lust, dort zu kommentieren, die Reaktion wäre klar. Bin eben ne Muschi. :P

    Ich finde Dein Thema viel zu wichtig, als dass man es für ein “Ich hau mal wieder ganz doll anarchistish ein bisschen auf der Gesellschaft rum” mißbraucht. Weil man sich so gerade nicht dem eigentlichen Fragen stellt, sondern lediglich Selbtbefriedigung draufhaut und weitergeht. Bringt der Diskussuion mal rein gar nix.

    Deinen Ansatz, Deine Nachdenklichkeit, finde ich da deutlich konstruktiver. Die langsame Klinge durchbricht den Schild!

    • Marcel says:

      Die Kommentare ≠ der Beitragsbereich. Es sollte aufgefallen sein, dass die Qualität meiner Äußerungen sich unterhalb der Beitragskante arg von dem Kram, den ich im Beitrag selbst schreibe, unterscheiden. Weil ich keinen Wert darauf lege, eine Diskussion zu führen, deren Ergebnis absehbar ist.

  19. Lutz says:

    Interessant, wie die Diskussion immer in Richtung “Gesetze” abdriftet. Alle verstecken sich immer hinter den Gesetzbüchern. Die menschlichen, moralischen Aspekte bleiben komplett ignoriert. Einfach im Internet Fotos von fremden Menschen zu veröffentlichen ohne diese darüber in Kenntnis zu setzen passt jedoch hervorragend in die heutige Internetwelt. Hauptsache “ich” kann “mein” Foto zeigen. Dass “mein” Foto aber ohne die fremde Person gar kein Foto geworden wäre, vergisst man ach so schnell… Stell dir doch mal vor, du fotografierst jemanden, der sich vielleicht gerade in einer sehr schlimmen Phase seines Lebens befindet und dein Foto ihn/sie nun für immer an diese schlimme Zeit erinnern wird. Damit nicht genug: da dieses Foto auch noch für jedermann im Internet zu sehen ist, ggf. sogar weiterverbreitet wird, ist die Chance, dieses Foto vom Netz zu nehmen praktisch nicht mehr vorhanden. Unter Umständen wird das Foto sogar auf diversen Webseiten so übel auseinandergenommen und über die zu sehende Person “gelästert”. Alles nur Theorie? Wo kein Kläger da kein Richter? Das sagt man immer so lange, bis man selbst in diese Situation gerät. Und dann ist das Geheule immer groß.

    Wer Leuten die Kamera ins Gesicht pressen kann, kann ihnen anschließend auch das Foto zeigen und sich mit ihnen unterhalten. Es sind nämlich Menschen und keine Twitter-Beiträge, die man einfach wegklicken kann. Dann erntet man übrigens auch keine bösen Blicke – gut, oder? Ein bißchen weniger Facebook und Twitter und ein bißchen mehr real life würde vielen hier wirklich mal gut tun. Sowas ist das 1×1 des menschlichen Miteinanders.

    Fand diesen Blog bisher immer recht unterhaltsam, aber das hier ist wirklich zu traurig.

    • Martin says:

      Stimmt, das ist wirklich traurig, dass du aufgrund eines Eintrags, nun den Blog nicht mehr gut findest.

      Mir ist alles bewusst, was du sagst und ich kann ja auch verstehen, was du meinst. Aber es geht in der Streetfotografie auch darum, die Welt und unsere Zeit festzuhalten. Etwas zu erstellen, worauf spätere Generationen schauen können. Es würde doch ein völlig falsches Bild erzeugen, wären alle Menschen auf den Fotos immer glücklich und würden lächeln. So ist die Welt nicht.

      Aber du siehst das ganze aus einem anderen Blickwinkel. Ich stelle mich der Kritik und dem Unverständnis und mache es trotzdem weiter und irgendwann ist man glücklich und begeistert, dass es Fotos gibt, die das Leben zeigen und keine gestellten Momente.

      Wieso ich im Nachhinein nicht mit den Leuten spreche, habe ich ja auch schon erklärt.

      • Novi says:

        Auf welcher Grundlage gehst Du eigentlich davon aus, dass sämtliche Personen, die (so objektiv wie möglich betrachtet) nicht sonderlich vorteilhaft aus dem Bild aussehen, Dir das Veröffentlichen verbieten? Mir scheint nämlich, dass Du damit begründest, warum Du sie nicht immerhin nach der Erstellung des Fotos danach fragst.

  20. Jakob Adler says:

    Ich möchte mal mit Martin Streetfotografie machen. <3

  21. Jakob says:

    Da Lutz auf den moralischen Aspekt hingewiesen hat, wollte ich meinen Gedanken von oben nochmals hervorkramen. Ich denke jeder Streetfotograf sollte sich überlegen: “Würde ich gerne in der Situation fotografiert bzw. im Netz veröffentlicht werden?” Klar bietet diese Regel keine 100%ige Sicherheit aber sie kann zumindest eine Richtlinie sein. Und im Zweifel sollte man von einer Veröffentlichung eher absehen bzw. das Foto “anonym” gestalten.

    • Martin says:

      Und genau das ist doch der Punkt an dem es interessant wird und an dem dann fast alle Schiss bekommen. Und da will ich explizit einen Schritt weiter gehen. Es geht um Dokumentation, echt, so wie sie ist. Festhalten für spätere Generationen und andere Menschen. Keine Zensur.

      Und damit meine ich nicht, dass man Obdachlose fotografieren sollte und sie in ihrer schlimmen Position offen darstellen sollte.

      • Jakob says:

        So ist das nun mal bei Moral – jeder hat andere Vorstellungen davon ;) Und ich bin ganz deiner Meinung, dass man ruhig man über die von der Gesellschaft gesteckten moralischen Grenzen gehen sollte. Die von mir angesprochene Regel passt da meiner Meinung aber ganz gut. “Würde ich mich gerne zeitunglesend im Cafe fotografiert und veröffentlicht sehen?” –> Ja, wäre kein Problem; “Würde ich mich gerne besoffen und hilflos am Straßenrand fotografiert und veröffentlicht sehen?” –> Nein, wäre ein Problem; usw.

      • Novi says:

        Habe schon einige Obdachlose kennengelernt, die genau das sehr gut finden – dass sie gezeigt und auf ihre Situation aufmerksam gemacht wird.

        Ist in meinen Augen daher ein schlechtes Argument.

  22. Martin says:

    Wenn sich niemand traut das zu zeigen, was echt ist und was es auf der Straße gibt. Leben. Traurig oder fröhlich. Dann haben wir irgendwann keine Fotos davon. Dann existiert nichts, was unser Leben dokumentiert. Gerne steht ich hier als der “böse” am Pranger, weil ich weiß, dass es wichtig ist und etwas dient. Ganz im Sinne von Chris Weeks “Documenting the human condition”.

  23. Also “Böser” stellt dich niemand dar. Und viele interessieren sich einfach für die Grenze (die moralische) die zu ziehst. Und da sagst Du selbst, dass Du zum Beispiel vor Obdachlosen halt machst. Und vielleicht auf vor Streitenden, vor Katastrophen (Krankenwageneinsatz) usw. Dass andere eben einen anderen Standpunkt haben, ist zum Glück so. Und das wird hier diskutiert. Das Juristische steht wieder auf einem anderen Blatt.

  24. Ach ja, dieses Video hier passt zur Thematik wie die Faust aufs Auge ;-) http://www.youtube.com/watch?v=w4XQCc2uwKA

  25. Sebastian says:

    > Dann haben wir irgendwann keine Fotos davon

    Das ist doch Quatsch! Es gibt jede Menge Fotos vom Straßenleben der vergangenen Jahrzehnte. Ganz ohne Blogs!

    Wenn es wirklich um die fotografische Konservierung der “Vergangenheit” ginge, wäre die Arbeitsweise ganz anders. Ich denke Lutz hat den Ausgangspunkt der Motivation ganz gut beschrieben. (Hauptsache “ich” kann “mein” Foto zeigen.)

    • Martin says:

      Ja, es gab keine Blogs. Aber die Fotos wurden trotzdem gemacht. Verrückt, oder? Oder wie stellst du dir vor sind die auf Papier und in den Händen von Millionen Leuten gelandet?

      • Sebastian says:

        Ja, eben. Das spricht für das Machen, aber nicht für das im Internet veröffentlichen ;-)

        • Martin says:

          Aber wieso kennst du sie, wenn sie niemals veröffentlich wurden? :)

          • Sebastian says:

            Den Unterschied zwischen “veröffentlichen” und “im Internet veröffentlichen” kennst Du aber?

            Für mich ist es eben ein großer Unterschied, ob die besten Fotos der 60er, 70er, 80er etc … in einer Ausstellung oder einem Buch landen.

            Oder ob jede Primel, die eine Digicam halbwegs in eine Richtung halten kann, seine Alltagsausbeute ins Netz hochbläst ;-)

            • dogwatcher says:

              Na ja, das “Internet als Problem” ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen.. wir hatten diese Diskussion auch schon vor ein paar Tagen auf kwerfeldein.de..

              Wieviele Leute haben denn früher ihre Street-Bilder vor einem Millionen-Publikum veröffentlichen können?

              Wenn damals Herr Meier (verheiratet) Händchen-haltend mit seiner jungen Geliebten im Rahmen eines Street-Fotos in irgendeinem Fotoalbum landete, oder maximal für 2 Wochen in einer Ausstellung in dem muffigen Club-Haus eines Foto-Vereins hing, hat das Herrn Meier nicht interessiert.. er war nicht tangiert und die Wahrscheinlichkeit, dass er “entdeckt” worden wäre, war gering.

              Heute bläst jeder alles ins Netz. Wo jeder es sehen kann und wo – potentiell – auch heute oder in Zukunft irgendwelche Suchmaschinen mit Gesichtserkennung oder was weiß Gott in Zukunft noch kommt über die Bilder laufen und dementsprechend Folgen haben.

              Da ist doch klar, dass für den gemeinen Bürger auf der Straße die (vermeintliche) “Bedrohungslage” mittlerweile eine andere ist und manche zunehmend agressiv reagieren… Ob zu Recht oder nicht.. Herrgott.. das ist natürlich deren eigene Interpretation.

              Ich bin schon angeschissen worden, weil ich irgendwelche Autos abgelichtet habe oder alte Ersatzteile an Flohmarkständen.. die Leute reagieren zunehmend psychotischer. Und man mag sich ja schon fragen, ob da nicht auch eine Spirale im Gang ist. Es wird mehr fotografiert -> mehr publiziert -> vor einem größeren Publikum -> die Leute machen mehr und mehr “zu”.

              Mag sein dass die Deutschen da auch übersensibel reagieren.. aber auch in anderen Ecken der Welt ist das mittlerweile ein Problem, ich erinnere an Folge 4 des BlackPixel-Casts “Ein Gespräch mit Johannes Barthelmes”, wo dieser berichtete dass die Menschen auf Kuba mittlerweile so genervt von dieser “Abschießerei” und den aufdringlichen Fotografen sind, dass sie zunehmend verzweifeln.

              Ist jedem sein Bier, was er macht. Aber dass man a) doch mal Ärger bekommen kann sollte einem bewusst sein (.. ist dir ja auch, hast du ja gesagt, also für dich kein Problem) und b) dass man von manchen als (bestenfalls) aufdringlich oder – bei verdeckter Arbeit – “heimtückisch” angesehen wird, muss man auch mit leben können.

              Ist ja auch jedem seine Sache, nur falls es mal eintrifft, nicht jammern.

              Ganz einfach.

              Ich denke, dass Thema wird uns noch öfter beschäftigen.

              Im übrigen: Mir geht es natürlich auch auf den Keks, dass ich hier Bilder habe, wo irgendwo ein Mensch rumsteht, und ich mich fragen muss ob ich für den Knaben schon ein ausgewachsens Model-Release brauche, oder nicht…

  26. Sebastian says:

    Weniger labern, mehr fotografieren! Und zwar das war ihr wollt. Und die Anderen fotografieren das, was sie möchten. Euch kann das egal sein. Hauptsache vor die Tür gehen und fotografieren.

  27. Chrissy says:

    Ich denke, jemanden zu fragen, ob das geschossene Bild veröffentlich werden darf hat “irgendwie” zwei Gesichter.

    Ich mein ein Bild, wo man nicht wirklich haarscharf erkennt, wer das nun ist (wie bei Bild zwei), ich finde, da muss man jetzt nicht gerade hinrennen und fragen – mal ganz abgesehen davon, dass ich davon ausging, das selbst, wenn Martin ein “versteckter” Streetfotograf ist, die Leute schon gemerkt haben, dass der ein Foto macht.

    Wenn ich in der Stadt merke, da fotografiert einer und ich würde genau in sein Bild rennen, dann renn ich halt da nicht rein, wenn ich nicht drauf sein will.

    Hingegen bei Motiv drei hätte ich gefragt, weil die Frau gut zu erkennen ist – also ohne weiteres würden Bekannte, Freunde oder Kunden oder sonst wer sie erkennen.

    Ich kann mir vorstellen was für ein schwerer Schritt das ist auf jemanden ganz Fremdes zuzutreten und zu fragen. Eben weil ich auch schüchtern bin (vielleicht ein Grund, weswegen ich keine Streetfotografie mach)

    Meiner Ansicht nach, sollte Martin seine “Masche” so weiter machen. Solang es gut läuft, freu ich mich auf tolle Bilder. Wenn er Probleme bekommt, denk ich, dass er weiß, dass das wohl irgendwann hätte so kommen müssen.

    • Chris says:

      “mal ganz abgesehen davon, dass ich davon ausging, das selbst, wenn Martin ein “versteckter” Streetfotograf ist, die Leute schon gemerkt haben, dass der ein Foto macht.”

      die meisten bilder sehen aber mehr nach einem “hüftschuss” aus, schwer so etwas zu bemeken. aber ich glaube die ganze sache werd ich mal ausprobieren, fotografieren, und dann ansprechen. auf die reaktionen bin ich gespannt ;)

  28. Sandra says:

    Ja, ich mag ungestellte Streetfotos. Und mir gefallen Deine Streetfotos; ja auch gerade wegen der Ungestellheit. Ja, sobald man Personen vorher informiert, kriegt man nicht mehr diese Bilder, die man schießen will. Du hast Dich so entschieden und bist damit offenbar auch bereit etwaige Konsequenzen zu tragen.

    Wenn ich so ungestellt & ungefragt abgelichtet werden würde, in Jogging Büchs aufm Weg zum Mülleimer oder noch fix zum Supermarkt;und ich würde mein Bild dann im Internet finden.Gnade Dir Gott, der Fotograf hätte nix mehr zu lachen. Auch nur meine Meinung.

  29. Jason says:

    Ich fotografie (Hobby) selbst seit einigen Jahren. Seit dem ich in Berlin wohne, sehr viel Streetfotografie. Ich frage äußerst selten, vorher, ob ich ein Bild machen darf. Der “Sinn” der Streetfotografie würde dabei auf der Strecke bleiben. Ich frage jedoch immer hinterher, ob ich das Foto verwenden darf. Im privaten Blog, auf Flickr, wo auch immer. Ehrlich gesagt, hat noch nie jemand etwas dagegen gehabt. Im Gegenteil. Es entsteht so gut wie immer ein Dialog zwischen mir und der Person. Viele zeigen sich sehr interessiert, wenn ich Ihnen erkläre, was meine Idee hinter dem Bild ist und wie ich es noch durch die Bearbeitung finalisiere. Auch die E-Mail Adresse bekomme ich oft sofort. Denn die meisten wollen das Foto gerne selbst haben.

    Mein Fazit zur Streetfotografie ist daher, dass es ohne den anschließenden Dialog nur halb so viel Spass machen würde. Ich hab so zu vielen Bilder auch “die Geschichte hinter der Person”.

    • Sebastian says:

      > Es entsteht so gut wie immer ein Dialog

      Deckt sich mit meinen Erfahrungen. Weswegen ich mich auch immer wieder dafür ausspreche. Die Reaktionen sind überwiegend positiv. Gerade bei den Menschen, wo man es nicht vermuten würde.

      • Sandra says:

        Ich denke auch, das die wenigsten “nein” sagen. Ich finde auch,das man durchaus auch im nachhinein noch fragen sollte-wenn nicht sogar fragen MUSS !

      • Da muss ich zustimmen. Zu meinen Radiozeiten waren die, die aussahen, als würden sie einen gleich auffressen, wenn man sie anspricht, die nettesten. Die Scheu muss man eben ablegen, Gewöhnungssache.

    • Sebastian says:

      PS: Würde mir Deine Bilder gerne anschauen. Poste doch mal eine URL. Gerne auch per E-Mail (sebastian@naanoo.com)

  30. Es dreht sich – denke ch – um zwei Sätze. Der eine, bei dem die meisten (ich auch) noch bei Dir sind: “Ich für mich habe entschieden, dass ich niemanden fragen werde ob ich ein Foto machen darf. Es würde einfach den Sinn der Streetfotografie zerstören. ” Der zweite: “Man schlug mir vor, die Leute doch zu fragen ob ich das Foto veröffentlichen darf, nachdem ich das Bild gemacht habe. Dann habe ich aber da Problem, dass Leute verneinen würden, wenn sie sich auf dem Bild nicht so gut gefallen, obwohl es in meinen Augen vielleicht ein sehr gutes Foto ist. Ganz davon abgesehen, dass ich nicht die Zeit und Lust habe, Leute ständig anzusprechen und aufzuhalten.” Da liegt eher die Problematik. Denn die Begründungn (hätte “nein” sagen können und “musste weiter zum nächsten Moment” sind wenn es hart auf hart kommt nicht ausreichend). ABER: wie Du das machst ist zu 100% Deine Sache.

  31. […] mische mich mal hier ein. Die Kommentare waren ein […]

  32. Mett says:

    Abgesehen vom rechtlichen Aspekt sollte man als Straßenphotograph aber niemals seine Verantwortung vergessen. Der Grundsatz “was du nicht willst das man dir tut, das füg auch keinem andern zu” ist dabei eine wichtige Leitlinie. Deine Praxis, die Leute gar nicht erst zu fragen, weil sie die Veröffentlichung ablehnen oder dir ein anderer Augenblick durch die Lappen gehen könnte, halte ich für unanständig. Außerdem verliert sie das Subjekt aus dem Auge und berücksichtigt nur deine Position (du möchtest veröffentlichen und noch mehr Momente einfangen). Ob das nun respektlos und/oder egoistisch ist? Kann sein.

    Auf der anderen Seite: Was ist mit den Kriegsphotographen, die auch oftmals Individuen zum Gegenstand ihrer Reportage machen? Ob die jedesmal fragen, ob sie das veröffentlichen dürfen? Ist hier die journalistische Tätigkeit und die Motivation, Krieg über die Darstellung persönlichen Leids ein Gesicht zu geben Legitimation genug? Kann man Kriegs- und Straßenphotographie überhaupt über einen Kamm scheren?

    Letzter, eher beiläufiger Punkt: Warum bezieht sich das Wort “Straßenfotografie” nur auf die physikalische Straße und kann nicht ebenso weitgefasst sein wie der Begriff “Streetfotografie”? Demnach besingt die Straßenmusik also auch die unterschiedlichen Straßenbeläge. Die Sicht ist ein bisschen kleinlich.

  33. alex says:

    oh man, wenn Mücken zu Elefanten werden… Weiter so Martin! Dokumentier die Zeitgeschichte und zeig sie uns. Wenn alte Fotos aus früherer Zeit öffentlich gezeigt werden, ist alles super, aber wenn man ein aktuelles zeigt ist das strafbar? Sag mal hackt’s? Ich bin für mehr Streetfotos von dir :)

  34. Marcel says:

    Ich verstehe das richtig?!

    Du betreibst einen Blog und versuchst seit Neuestem damit auch Geld zu verdienen. (was überhaupt nicht verwerflich ist!)

    Du füllst den Blog zum Teil mit Aufnahmen für die du kein Recht zur Veröffentlichung hast?

    Oooookay?!

  35. Dean says:

    Sagen wir es mal so: In Deutschland wird uns sogesehen alles verboten. Das erkennt man in letzter Zeit auch an den Streit zwischen GEMA und YouTube. Die GEMA möchte Deutschland viele Videos sperren. Das finde ich nicht okay. Ich mag diese Stasi 2.0-Nummer, die sich hier immer mehr auftut, absolut nicht. Sogesehen ist es das Ähnliche bei der Fotografie. Man kann als Bürger nicht alle Gesetze kennen und man kann als Fotograf auch nicht jeden auf ein Foto bei dem Thema “Streetfotografie” ansprechen. Wenn man z.B. jemanden drauf ansprechen würde, würde das Bild eher geschauspielert, als echt wirken. Manchmal Frage ich mich, wieso wir in Deutschland so zensiert leben müssen und warum es diese “sinnlosen” Gesetze gibt.

    • Mett says:

      Kannst du mal erläutern, was die Urheberrechtsgeschichte GEMA vs. Youtube mit Stasi (2.0) zu tun hat? Youtube will Geld verdienen (ist also ein kommerzielles Portal) und wenn die GEMA in Deutschland eben die Verwertungsrechte hat, meine Güte, dann ist das so, weil ein Künstler sich entschieden hat, seine Musik über die GEMA zu verwerten. Das ist in anderen Ländern nicht anders. Man kann sicher trefflich drüber streiten, wie weit der Urheberrechtsschutz gehen soll und ob die Entwicklungen der vergangenen Jahre so gut waren. Aber man sollte doch den Künstlern das Recht zusprechen selbst darüber zu entscheiden, wer ihre Werke wie nutzen darf und zu welchem Preis.

  36. osman says:

    ich finde deinen artikel sehr gut und ich kann mich damit sehr identifizieren. eine frage: hat je ein henri cartier-bresson gefragt ob er denn dieses und jenes foto schießen darf? naja, es sollte sich sowieso jeder fotograf sagen i don´t give a fuck sonst kommt man nicht weiter…meine meinung mach einfach weiter, ich mag deine bilder und deinen blog sowieso

  37. Moritz says:

    Danke für den Denkanstoß. Dein Ding, aber als Experiment eine Woche Leute ‘danach’ fragen fände ich spannend!

  38. Nina says:

    wieso fragst du denn die Leute eigentlich nicht im Nachhinein?! Da hast du dann kein gestelltes Foto und trotzdem eine Absicherung… Und wenn die Nein sagen kannst dir immernoch überlegen ob dus trotzdem Veröffentlichen willst und risikofreudig bist…

    • Sebastian says:

      Das kam doch im Grunde in der Diskussion ganz gut raus. Weil er sich nicht traut, fremde Menschen anzusprechen.

      Oder um es mit Marcels Worten zu sagen: Weil er eine Muschi ist ;-)

  39. […] erklärt in seiner coolen und sachlichen Art warum er Streetfotografie macht und welche eventuellen Probleme es geben […]

  40. Marcel says:

    Ha, super interessant geschrieben. Da sind wir auch wieder beim Thema Datenschutz in Deutschland. Darüber könnte ich mich jeden Tag den ganzen Tag lang aufregen. Die Deutschen sind so paranoid was das Thema angeht. Aber darüber können wir vielleicht ja mal bei einem Bierchen reden. Auf jeden Fall interessante Fotos :)

  41. Sumi says:

    Sehr schöner Artikel :) Ich würde mich leider so garnich trauen Leute ohne ihr einverständnis zu fotografieren. Lustigerweise wäre das Onlinestellen danach glaube ich weniger ein Problem für mich.

  42. […] vor ein paar Tagen gab es beim Martin eine interessante Diskussion zum Thema Street Photography. Martin macht seine Fotos auf der […]

  43. […] die ich wie ein spannendes Buch gelesen habe. Einmal war es Martin’s Streetfotografie auf visuellegedanken.de und dann ein Gastartikel auf kwerfeldein.de, der von Thomas Leuthard geschrieben […]

  44. […] Siebenjährige aus Thüringen tot aufgefunden Emotionen: 95 | 4 In Blogs gefunden: Meine Streetfotografie visuelleGedankendeEs macht ja auch einen gewissen Reiz aus Ich habe keine Angst entdeckt zu werden ich tue ja nichts […]

  45. […] über Moral und Verantwortung, über Privatsphäre und künstlerische Freiheit. Angefangen bei Martin, Marcel, Andreas und Zimtsternin hat am Ende so ziemlich jeder Fotoblog seinen Senf dazu gegeben. […]

  46. […] ist es ja so, dass ich nicht zuletzt durch die Diskussionen auf dem Blog von Martin Wolf ein wachsendes Interesse an der Streetfotografie habe, so dass ich die Gelegenheit nutzte und ein […]

  47. […] Ãœbrigens seht ihr hier auch 2 meiner ersten Streetfotografie Versuche. Martin hat mir mit seinem Artikel zu dem Thema irgendwie Mut […]

  48. […] einigen Tagen gab es bei Martin eine interessante Diskussion zum Thema Streetfotografie, da ich diese Art der Fotografie auch sehr […]

  49. Fotorahmen says:

    […] Thema Fragen oder nicht Fragen gibts übrigens beim Martin  und beim Martin noch mehr Infos […]

  50. […] erklärt in seiner coolen und sachlichen Art warum er Streetfotografie macht und welche eventuellen Probleme es geben […]

  51. […] Gedanken greift Martin Wolf in dem Artikel “Meine Streetfotografie” auf seinem Blog visuelleGedanken.de auf. Martin hat für sich entschieden, niemanden zu […]

  52. Foe says:

    Kennst du die Geschichte aus dem Orient wo ein Mann mit seinem Sohn und einem Esel auf den Markt geht? Ich fasse mich kurz: Zuerst sitzt sein Sohn auf dem Esel, und die Leute sagen: “Schau dir den frechen Bengel an. Er macht sich gemütlich während sein alter Herr nebenher laufen muss”. Er lässt sich beeinflussen, und sie tauschen die Plätze:”Schau dir den alten Sack an, lässt seinen Sohn laufen…” Und als beide auf dem Esel reiten heißt ruft man ihnen “Tierquäler, einsperren sollte man euch!” hinterher. Und schließlich lacht man sie aus, als keiner von beiden mehr auf den Esel sitzt – obwohl sie einen haben und wohl zu dumm zum Reiten sind.

    Regeln, Gesetze, Moral… tue was du für richtig erachtest. Es wird immer jemand geben der etwas dagegen hat, ganz egal was du machst. Eben diese Menschen haben noch immer nicht verstanden das die Welt sich nicht um sie dreht.

    Ich wünsche dir viel Spaß und allzeit gute Fotos.

  53. […] dachte, ich wüsste, was ich tue, aber ich hatte nur bedingt Ahnung. Ich schrieb damals einen Artikel zu meiner Streetfotografie und es entbrannte eine heiße Diskussion um Recht, Unrecht und […]

  54. […] dachte, ich wüsste, was ich tue, aber ich hatte nur bedingt Ahnung. Ich schrieb damals einen Artikel zu meiner Streetfotografie und es entbrannte eine heiße Diskussion um Recht, Unrecht und […]

  55. […] über Moral und Verantwortung, über Privatsphäre und künstlerische Freiheit. Angefangen bei Martin, Marcel, Andreas und Zimtsternin hat am Ende so ziemlich jeder Fotoblog seinen Senf dazu gegeben. […]

  56. Hallo Martin,

    schöner Artikel mit interessanten Einblicken.

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