Der Stand der Dinge

Vor ein paar Tagen wäre fast ein Wunder geschehen. Kai hatte bei irgendeinem Kleinanzeigenportal eine gebrauchte M9 für 1860€ gefunden. Wow, dachte ich mir, dass ist DIE Gelegenheit. Zwar würde ich dazu auch noch ein Objektiv brauchen, aber das wäre ein Schnäppchen, wie es sicher so schnell nicht wieder auftaucht. Ich nahm also Kontakt zum Verkäufer auf und die Geschichte nahm ihren Lauf. Er sprach nur englisch, erzählte mir, er wäre erst seit neun Monaten in Deutschland. Später stellte sich heraus, dass er nun doch nicht mehr in Deutschland sei, sondern in Griechenland, seine Frau im Krankenhaus liegt und er Geld braucht. Die Bezahlung sollte über irgendeine seltsame Firma laufen. Okay, das ganze war dann wohl ein Fake und ich enttäuscht. Naja, das wäre aber auch alles zu schön gewesen. Ein Wunder eben.

Ich glaube ich habe mich nach dieser Aktion damit abgefunden, dass ich in naher Zukunft keine M9 besitzen werde und wer weiß, vielleicht ist das ja auch ganz gut. Schliesslich hört es bei dem Body nicht auf und auch die M9 hat Schwächen und spielt ihre Stärken erst mit einem richtig guten Objektiv aus.

Gestern kam dann das von mir lang erwartete Review der Fujifilm x100 von Zack Arias. Und BÄMM, das hat eingeschlagen. Das war das emotionale Review einer Kamera von jemandem, der begeistert ist, dem aber auch die Schwächen bewusst sind, auf das ich gewartet hatte um meinen Kopf davon zu überzeugen, dass das Gefühl, diese Kamera unbedingt selbst testen zu wollen, Sieger ist. Und wie es der Zufall will, hat der Ralf-Jürgen eine gerade mal 3 Wochen alte x100, die er gerne wieder verkaufen möchte, weil sie nichts für ihn ist.

Wir sind zu einem Deal gekommen und ich werde ab dem Wochenende oder spätestens Anfang nächster Woche stolzer Besitzer einer x100 sein. Ja, sie hat Schwächen und ja, ich kenne sie aus den Reviews, ihr müsst sie nicht aufzählen. Ja, es ist keine echte Messucherkamera. Ja, sie hat kein wechselbares Objektiv. Ja, sie ist kein Vollformat.

Mir ist das alles bewusst und ich will sie trotzdem haben. Ich mache derzeit keine Fotografie, für die ich bezahlt werde. Das führt dazu, dass ich meistens keine Lust habe die dicke DSLR mit mir rum zu tragen und die meiste Fotografie derzeit entsteht relativ spontan auf der Straße oder ich verbinde eine Fototour zumindest mit etwas anderem, wie heute morgen.
Die Ricoh habe ich immer dabei und sie ist auch großartig, ich liebe sie, aber sie stößt durch den fehlenden Sucher und den kleinen Sensor einfach an ihre Grenzen. Sie ist super für Schnappschüsse und für das wirklich sehr geheime fotografieren auf der Straße. Aber derzeit ist sie für mich schon fast der Ersatz für meine 5D und das geht einfach nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe die x100 gekauft, ich werde sie auf Herz und Nieren testen und für mich feststellen ob sie „meine“ Kamera ist. Das ist der beste und eigentlich auch einzige Weg um das wirklich wissen zu können. Ich wollte sie seit ihrer Ankündigung haben und habe mich durch Reviews immer wieder davon abbringen lassen, aber gemerkt, dass ich nur Ruhe finde, wenn ich sie selbst testen kann. Und sollte sie wirklich nichts für mich sein, wird man sie sehr einfach los, weil sie nach wie vor schwer zu bekommen ist.

Aber ich bin sehr guter Dinge und freue mich die Straßen damit unsicher zu machen und auch wieder etwas ernsthafter zu fotografieren, als ich es mit der Ricoh mache. Ich halte euch auf dem Laufenden. 

(Und wer weiß, vielleicht kann ich mir irgendwann eine M10 leisten. :D)

Kommentare

  1. Gratulation! :) Ich bin schon auf deinen Bericht gespannt! Mich juckt die Cam ja auch schon seit dem sie angekündigt wurde. Und ich finde, das sie kein austauschbares Objektiv hat gerade „entspannend“. Verleitet schon mal nicht dazu immer weitere kaufen zu wollen, sondern einfach mit dem was man hat auszukommen.

    Für alles andere hat man dann ja noch die große DSLR.

    Wie gesagt, ich bin gespannt was du schreiben wirst! :)

    Gruss, Tom

  2. weißt ja, nicht die kamera…

    einer derzeit in kanada streunender berliner dessen streetfotos ich stets gemocht habe und der weiß was eine kamera ist hat sich die x100 auch zugelegt und hat richtig spass. und so kann man seine bilder auch schneller sehen und muss nicht auf die entwicklung der filme aus der m6 warten. viel spass mit dem teil!

  3. Finde ich richtig. Scheiss auf Rezensionen oder die Meinungen der Technikfreaks. Dein Herzgefühl > was die anderen sagen. Wenn du sie liebst, ist sie die richtige Kamera für dich, egal was andere sagen. Diese Tatsache schlägt sich dann auch in den Resultaten nieder.

    Viel Spaß damit!

  4. Oh nein, du bekommst sie und bist erst mal ne Woche weg! :( Würde sie gern auch sehen, ich glaube so etwas kann ich mir auch vorstellen, für mich! Naja, ich kann ja auch ne Woche warten. Dann hast du auch wenigsten schon eine erste Meinung, bin gespannt!

  5. Ich hatte sie gestern auch endlich mal in der Hand und hab ein bisschen rumgeknipst. Es war mehr so ein“Fotografie-Gefühl“ als ein FOTOGRAFIEREN. Wollte sie mir danach nicht mehr kaufen. Bin gespannt, wie sie Dir gefällt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie für Dich das Richtige ist.

  6. Also ich würde meine (vorerst) auch nicht mehr hergeben wollen. Ich habe sie mir gekauft, weil ich einerseits das Retro Design toll finde (und es ist wirklich retro, nicht so halbgar wie die PENs z.b., dabei steckt aber trotzdem soviel hi-tech drin (sucher)) und ich die Einschränkungen haben wollte. Wenn man mit der DSLR loszieht, ist immer die Frage, was nehm ich fürn Objektiv mit, und am ende ärgert man sich dann doch, das falsche dabei zu haben.

    Die X100 macht zwar nicht automatisch bessere Bilder, aber es macht mehr Spaß damit :)

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